Weniger Tiroler Unternehmen schlitterten in die Pleite

101 Tiroler Unternehmen und 225 Private wurden heuer zahlungsunfähig. Creditreform erwartet einen massiven Anstieg.

Symbolfoto.
© Erwin Wodicka

Wien, Innsbruck – Nächstes Jahr droht in Österreich eine Pleitewelle, sind Gläubigerschützer überzeugt. Mit Jahresbeginn laufen viele der in den staatlichen Corona-Hilfen festgelegten Fristaufschübe auf Steuern und Abgaben aus – und Unternehmen sowie Private müssen Rechnungen begleichen. Im ersten Halbjahr 2020 zeigen die Hilfen noch Wirkung, sowohl die Zahl der Firmeninsolvenzen als auch die der Privatpleiten ist zurückgegangen. Darüber informiert der Gläubigerschutzverband Creditreform nach Vorliegen der endgültigen Insolvenz-Zahlen in Österreich.

Im ersten Halbjahr 2020 wurden laut Creditreform in Österreich 5768 Firmen- und Privatinsolvenzen gezählt. Damit gab es ein Minus von 31,1 Prozent bei den Pleiten. Die Firmeninsolvenzen sanken um 25,8 Prozent, bei den Privaten war der Rückgang mit minus 33,6 Prozent noch größer. „Die Maßnahmen der Bundesregierung wirken, sorgen aber nur für einen Aufschub der Insolvenzen ins kommende Jahr“, kommentiert Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer die Zahlen. Und: „Wenn die Stundungen der Krankenkasse und der Finanzämter 2021 enden, kommt der Zahltag für viele Unternehmen.“ Auch bei den finanziellen Angelegenheiten der Privaten schaue es wenig rosig aus. Weinhofer: „Ohne starken Rückgang der Arbeitslosigkeit droht ein massiver Anstieg bei den Privatinsolvenzen.“

In Tirol ist die Insolvenzentwicklung im ersten Halbjahr 2020 noch erfreulicher als bundesweit. Von Jänner bis Juni gab es 101 Unternehmensinsolvenzen (minus 40,9 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019) und 225 Privatinsolvenzen (minus 42,2 Prozent). In der Landeshauptstadt Innsbruck wurden dabei die meisten Pleiten gezählt. Die Insolvenz des Holzunternehmens Klausner Nordamerika Beteiligungs GmbH war mit Verbindlichkeiten über 28 Mio. die größte Pleite in Tirol. (ritz)


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