„Waren einmal Revoluzzer“: Sinnsuche mit Schlagseite

Johanna Moders Tragikkomödie „Waren einmal Revoluzzer“ untersucht das Spannungsfeld von gut- und ernstgemeint.

Enddreißiger mit besten Absichten: Julia Jentsch und Manuel Rubey als Wiener Bobo-Pärchen in „Waren einmal Revoluzzer“.
© Filmladen

Innsbruck – Dass sich zwischen gut gemeint und gut gemacht ein Abgrund namens Realität auftut, ist eine Binse. Und dass es zur Bedingungen des neuen urbanen Spießertums gehört, die eigenen Ansichten als Absolut zu setzen, im Grunde auch: Das eigene Leid ist immer das größte, der eigene Geschmack der einzig gültige und die eigenen Absichten sind immer die besten.

📽️ Trailer | „Waren einmal Revoluzzer“

Das bebildert „Waren einmal Revoluzzer“, der neue Spielfilm von Johanna Moder („High Performance“) am Beispiel zweier bessersituierter Wiener Pärchen, die, weil dem schön Gesagten wenigstens einmal auch eine Tat folgen soll, einen in Russland verfolgten Freund samt Familie nach Österreich holen. Dass die gute Tat auch neuen Sinn ins einigermaßen ermattete Beziehungsleben bringen soll – geschenkt. Bloß, allzu anstrengend soll das Hilfsprojekt doch nicht werden. Schließlich hatte die Work-Life-Balance schon davor Schlagseite. Also werden Pawel (Tambet Tuisk) und Eugenia (Lena Tronina) von einer schmucken Innenstadt-Wohnung in die nächste abgeschoben – und landen letztlich am Land, wo Jakob (Manuel Rubey) seine vor Jahren erstarrte Songwriter-Karriere ankurbeln will. Dass seine Frau Helene (Julia Jentsch) mit ihrem Ex Volker (Marcel Mohab) ihren anderen Ex Pavel aus Russland rettete, weiß er nicht. Davor kommt Volkers neuer Flamme Tina (Aenne Schwarz) näher. Irgendwann entkommt ein Sittich. Und in Wien fällt der erste Schnee. Es geht also ziemlich durcheinander, wenn die Hoffnung, die Welt ein bisschen besser zu machen, zum Vorwand für eine Befindlichkeitsstudie verkorkster Enddreißiger-Biografien wird. Schön anzuschauen, weil eindrücklich gespielt und fein gefilmt, ist „Waren einmal Revoluzzer“, – trotzdem. Auch wenn der interessante Ansatz – Wichtigtuerei und Wirklichkeit zu sezieren – bestenfalls behauptet wird. (jole)


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