Integrationsministerin Raab will Antisemitismus gegensteuern

Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) plant nach den judenfeindlichen Angriffen in Graz eine „Offensive gegen Antisemitismus unter Zuwanderern und Flüchtlingen“. Ab September will die Ministerin mehrere Maßnahmen starten. So soll es eine eigene verpflichtende Unterrichtseinheit „Antisemitismus“ in den Integrationskursen des ÖIF für Flüchtlinge geben, teilte Raab der APA mit.

In Graz war es zuletzt zu Sachbeschädigungen der Synagoge und einem tätlichen Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Elie Rosen gekommen. Der Verdächtige, der die Vorwürfe gestanden hat, ist ein 31-jähriger Flüchtling aus Syrien.

„Antisemitismus, egal aus welcher Richtung er kommt, hat in Österreich keinen Platz“, betonte Raab in einer schriftlichen Unterlage. Zahlreiche Studien zeigten, dass Antisemitismus unter Zuwanderern aus muslimischen Ländern besonders stark ausgeprägt sei. „Durch die Flüchtlingswelle 2015 sind viele Menschen nach Österreich gekommen, die Antisemitismus und Judenfeindlichkeit in ihrem Herkunftsland verinnerlicht haben“, meinte Raab. „Der jüngste Vorfall in Graz ist ein trauriges Beispiel für diesen importierten Antisemitismus.“

Die Ministerin will nun mit einer Offensive gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) gegensteuern. So sollen Flüchtlinge im Rahmen der verpflichtenden Integrationskurse des ÖIF künftig in einer eigenen Unterrichtseinheit mit dem Thema Antisemitismus konfrontiert werden. Außerdem sollen Multiplikatoren wie Deutschtrainer, Integrationsberater oder Mitarbeiter von Behörden in Workshops Grundlagenwissen über Antisemitismus vermittelt bekommen. Ziel sei es, antisemitische Haltungen zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Als Unterstützung soll es auch ein eigenes Handbuch geben.

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Weiters hat Raab vor, das Dialogprojekt „Likrat“ der IKG auszubauen. Dabei besuchen jüdische Jugendliche Schulen und erklären Gleichaltrigen Hintergründe über das Judentum. Das Projekt soll nun mit einem Schwerpunkt auf Brennpunktschulen, aber auch an Volksschulen und Universitäten ausgeweitet werden. Bereits angekündigt hat die Ministerin auch, eine vertiefende Studie zu Antisemitismus im Kontext von Migration und Integration in Auftrag zu geben.


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