Jumbo-Team fordert Tour-de-France-Dominator Ineos

Das Rad-Team von David Brailsford hat unter den Namen Sky und Ineos zuletzt in sieben von acht Jahren den Sieger der Tour de France gestellt. Bei der am Samstag in Nizza beginnenden 107. Auflage sehen sich die Dominatoren aber enorm starker Konkurrenz gegenüber. Die Profis des Jumbo-Rennstalls, allen voran Vuelta-Sieger Primoz Roglic, übertrumpften zuletzt sogar Tour-Titelverteidiger Egan Bernal.

Angesichts der jüngsten Dominanz des Jumbo-Teams, das Attacken anderer Fahrer im Keim erstickte, sprach der Australier Richie Porte von den Gelb-Schwarzen als „Killerwespen“. „Sie fahren in einer eigenen Liga“, meinte ÖRV-Profi Michael Gogl (Team NTT), der als einer von fünf Österreichern bei der „Tour der Leiden“ antritt. Doch die Tour dauert drei Wochen - manche glauben, die für die Konkurrenz beängstigende Topform der Jumbo-Fahrer, die vor dem Neustart ein Trainingslager im Zillertal absolviert hatten, käme zu früh.

Leiden mussten zahlreiche Teilnehmer wegen Verletzungen schon im Vorfeld. Auch im Aufgebot des von der niederländischen Supermarktkette Jumbo gesponserten Teams. So kursierten über den Zustand von Roglic, der nach einem Sturz im Dauphine-Criterium an Hüftproblemen laborierte, auch Besorgnis weckende Meldungen. Doch am Donnerstag gab der 30-Jährige grünes Licht. „Mir geht es gut, ich werde am Start stehen. Ich werde mein Bestes geben und wir werden sehen, wie es läuft“, erklärte Roglic.

Sein Teamkollege Steven Kruijswijk (NED), der Tour-Dritte von 2019, fällt jedoch nach einer Verletzung aus. Doch George Bennett (NZL), Sepp Kuss (USA) und Wout van Aert (BEL) stehen bereit, den Ex-Skispringer Roglic und den nach langwierigen Knieproblemen zurückkehrenden Niederländer Tom Dumoulin (Tour-Zweiter 2018, Giro-Sieger 2017) zu unterstützen.

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Zeit, sich einzurollen, gibt es für Roglic und die weiteren Sturzopfer wie Emanuel Buchmann nicht. Schon am zweiten Tag warten im bergigen Hinterland der Cote d‘Azur zwei Pässe mit mehr als 1.500 Metern. Die Vorbereitung Buchmanns, des Vorjahres-Vierten aus dem Bora-Rennstall mit den Österreichern Gregor Mühlberger (fährt nach Bruch in der Handwurzel mit Spezialschiene), Felix Großschartner und Lukas Pöstlberger, hatte zuletzt unter Sturzfolgen gelitten. „Es gibt viele Fragezeichen“, sagte der Deutsche, der vor den im Dauphine-Criterium zugezogenen Blessuren das Podest als Ziel genannt hatte.

Bei dieser Generalprobe hatte sogar Bernal klein beigeben müssen. Der Kolumbianer, der im Vorjahr die Nachfolge von Bradley Wiggins (2012) sowie der wegen Formschwäche diesmal fehlenden Chris Froome (2013/15/16/17) und Geraint Thomas (2018) angetreten hatte, stieg dort vorzeitig ab. Offiziell wegen Rückenproblemen. Bei der diesmal noch schwierigeren Tour wird der 23-jährige Bernal von exzellenten Kletterern wie Giro-Sieger Richard Carapaz (ECU) und Pawel Siwakow (RUS) unterstützt. Sie könnten selbst in die Bresche springen.

22 Teams mit je acht Fahrern nehmen die rund 3.470 km auf 21 Etappen mit Ziel am 20. September in Paris unter die Räder. Kletterer dürfen sich freuen, es gibt Pässe sonder Zahl und auch das einzige Einzelzeitfahren endet am vorletzten Tag in den Vogesen auf einem Berg.

Da hofft auch Thibaut Pinot, in seinem Trainingsgebiet noch um den Sieg mitzumischen. Im Vorjahr hatte er wegen einer Muskelverletzung in aussichtsreicher Position kurz vor dem Ende unter Tränen aufgeben müssen, auch heuer ist der 30-Jährige aus dem Groupama-Team die größte Hoffnung auf den ersten Heimsieg seit Bernard Hinault 1985.

Das französische Zweitliga-Team Arkea setzt indes auf einen Kolumbianer. Giro- und Vuelta-Gewinner Nairo Quintana tritt nach zweiten Plätzen (2013/15) und einem dritten Rang (2016) an, um mit 30 Jahren auch bei der Tour den großen Coup zu landen. Den Vorschusslorbeeren gerecht werden will endlich Richie Porte, er bildet mit Bauke Mollema (NED) eine Zweierspitze bei Trek.

Zu den Anwärtern auf einen Podestplatz in Paris zählt auch der vom Kärntner Marco Haller im Bahrain-Team unterstützte Mikel Landa. „Ich kann ihm nicht helfen die Tour zu gewinnen, aber ihn unterstützen, um sie nicht zu verlieren“, sagte Haller der APA. Er soll dem Basken in kniffligen Situationen zur Seite stehen, bevor es in die Berge geht.

Weitere Mitfavoriten sind Ex-Kitzbühler-Horn-Sieger Miguel Angel Lopez (COL/Astana), dessen Landsleute Rigoberto Uran und Dauphine-Sieger Daniel Martinez (beide EF) und nicht zuletzt Adam Yates (GBR/Mitchelton) und Tadej Pogacar (SLO/UAE). Von den Spezialisten fehlen Ex-Sieger Vincenzo Nibali (ITA/2014) und Jakob Fuglsang (DEN), die den Giro bestreiten werden.


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