Corona-Lockdown: Mehr Unfälle zu Hause, weniger Einbrüche

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit hat gestern Zahlen zu Mobilität, Unfallgeschehen und Kriminalität während des Lockdowns präsentiert.

Vor allem nach Öffnung der Baumärkte gab es einen deutlichen Anstieg der Unfälle zu Hause bei Handwerkstätigkeiten.
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Wien, Innsbruck – Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lockdown haben neben den primär gesundheitlichen Folgen auch unmittelbare Auswirkungen auf das Unfallgeschehen in den Lebensbereichen Verkehr und Mobilität sowie Sport und Haushalt als auch bei Schadensereignissen in den Bereichen Eigentum und Kriminalität. Zu diesem Schluss kommt das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) und hat dazu gestern entsprechende Statistiken und Umfrage­ergebnisse präsentiert.

„Die anfängliche Ausnahmesituation wurde zur neuen Normalität proklamiert. Wann und ob die ‚alte‘ Realität zurückkehrt, ist offen“, sagt Othmar Thann, Direktor des KFV. Die Gefahr einer einseitigen Risikobetrachtung, die sich nur auf gesundheitspolitische Fragen von Covid-19 stützt, sei hoch. „Damit einhergehende Kollateralrisiken werden somit gerne unterschätzt“, betont Thann. So bedeute der durch Covid-19 bedingte Rückgang im Straßenverkehr nicht zwangsläufig, dass sämtliche Unfallrisiken zurückgegangen sind. Zwar sei die Anzahl der Getöteten im Straßenverkehr in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Drittel gesunken, „die Zahl ist aber in Relation zur Fahrleistung tatsächlich höher als im Jahr 2019“, so das KFV. Auch in der Anzeigenstatistik fällt auf, dass in diesem Zeitraum überproportional viele Lenker aufgrund von Geschwindigkeitsdelikten und Drogen am Steuer gestraft wurden.

Die Erhebungen in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen und danach zeigen, dass die österreichische Bevölkerung zu Beginn der Beschränkungen tendenziell vorsichtiger bei Haushalts- oder Sportaktivitäten vorgegangen ist. „Diese Tendenz spiegelt sich in den niedrigeren Ambulanzfrequenzen wider. Der Rückgang der Verletzten in den Ambulanzen um rund 40 bis 60 Prozent bedeutet dennoch nicht, dass es keine Verletzungen gab, tatsächlich wurden in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen besonders schwere Unfälle bei Handwerkstätigkeiten (signifikant hoch nach der Öffnung der Baumärkte), Forstarbeiten und Garten- oder Radunfälle behandelt.

Einen deutlichen Anstieg an sturzbedingten Verletzungen gab es bei Senioren: Sie mussten besonders oft mit Knochenbrüchen der Hüfte und Oberschenkel, Platzwunden bis hin zu Gehirnblutungen behandelt werden. „Die Hemmschwelle, in ein Krankhaus zu gehen, war zudem laut Umfrage sehr hoch“, so Thann. Dennoch gaben knapp acht Prozent der Befragten an, dass ihnen oder einem Familienmitglied während der Beschränkungen ein Unfall passiert ist – das entspricht etwa 200.000 Personen – von Mitte März bis Mitte Mai.

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Neben erhöhten Unfallrisiken ist auch die Gefahr von Bränden oder neuen Kriminalitätsformen durch Covid-19 nicht gesunken – das Gegenteil ist der Fall. „Während die Zahl der Einbruchsdelikte im Wohnbereich stark gesunken ist, erlebte die Zahl der Cyberdelikte nahezu einen Boom“, erklärt Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Eigentumsschutz im KFV. Einen Trend, den für Tirol auch das Landeskriminalamt Tirol gegenüber der Tiroler Tageszeitung bestätigt. Laut Kuratorium gab es zwischen Mitte März bis Anfang Mai einen Rückgang von 68 Prozent bei Wohnungseinbrüchen, während der Ausgangsbeschränkungen gab es sogar Tage, an denen österreichweit kein Wohnraumeinbruch gemeldet wurde – ein Novum seit Beginn der Aufzeichnungen. Im gleichen Zeitraum gab es dafür ein Plus von über 27 Prozent bei den Betrugsdelikten im Internet. Neben Cyberdelikten stieg auch die Zahl der Brandtoten in privaten Haushalten sowie die Zahl der Brandschäden im Waldbereich deutlich. (TT, np)


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