Gasstreit: Türkei verkündet Manöver und verlängert Erkundung

Die Türkei hat für kommende Woche eine neue Marine-Übung nahe der türkischen Küste angekündigt und ihre umstrittene Suche nach Erdgas im östlichen Mittelmeer verlängert. Die Marine kündigte am Donnerstag über das internationale Schifffahrts-Navigations-System Navtex an, am Dienstag und Mittwoch „Schießübungen“ im Nordosten des Mittelmeers abzuhalten.

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte am Donnerstag, die Übung stehe nicht im Zusammenhang mit der türkischen Suche nach Erdgas in der Region, die zu einem heftigen Streit mit Griechenland und der EU geführt hat. Gleichzeitig beschuldigte er Frankreich, durch militärische Aktionen in der Region die Spannungen zwischen Ankara und Athen zu verschärfen.

Akar forderte Griechenland auf, sich nicht hinter Frankreich und der EU „zu verstecken“. Beide Seiten müssten ihre Probleme „als Griechen und Türken“ durch Gespräche lösen“.

Ankara und Athen streiten um Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer. Neben Griechenland und der Türkei erhebt auch Zypern Anspruch auf deren Ausbeutung. Trotz aller Aufrufe zur Deeskalation schaukelt sich der Konflikt weiter hoch. Beide Seiten setzen zunehmend auf militärische Drohgebärden. Vor einer Woche kam es zur Kollision eines griechischen und türkischen Kriegsschiffs.

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Athen hatte am Mittwoch ein dreitägiges Militärmanöver mit Frankreich, Italien und Zypern in der Region begonnen. Die Türkei teilte mit, sie habe ein Militärmanöver mit einem US-Zerstörer in der Region abgehalten.

Mit scharfen Worten an die Adresse der Türkei äußerte sich Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) am Donnerstag zum Auftakt des informellen Außenministertreffens in Berlin. Beim Eintreffen im Auswärtigen Amt forderte er „klare Kante der EU“ gegenüber der Türkei zu zeigen. Im Konflikt um die Erdgasressourcen im östlichen Mittelmeer sei es „ganz wesentlich, dass wir hier Solidarität mit Griechenland und Zypern zeigen“, sagte Schallenberg vor Journalisten. „Die Türkei missachtet jegliche Konvention und fordert Europa geradezu heraus.“

Der Gasstreit kann aus Sicht von Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) nur beigelegt werden, wenn beide Seiten ihre Militärmanöver im östlichen Mittelmeer beenden. „Niemand will diesen Konflikt mit Kriegsschiffen im östlichen Mittelmeer lösen“, sagte Maas vor dem Treffen der EU-Außenminister. Angesichts der „Provokation und Eskalation“ im östlichen Mittelmeer sei die Bundesregierung „sehr besorgt“.“Wir brauchen eine diplomatische Lösung in diesem Konflikt“, betonte Maas.

Am Donnerstag verlängerte die Türkei den Einsatz des Forschungsschiffes „Oruc Reis“ bis kommenden Dienstag. Das Schiff war am 10. August zusammen mit einer Flotte von türkischen Kriegsschiffen in Gewässer gefahren, die Griechenland für sich beansprucht. „Wir sind entschlossen, unsere Rechte zu schützen“, erklärte Akar.

Am Mittwoch hatte sich erstmals US-Präsident Donald Trump eingeschaltet und mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis sowie seinem türkischen Amtskollegen Präsident Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Das Weiße Haus sei „besorgt über die zunehmenden Spannungen zwischen den NATO-Partnern Griechenland und der Türkei“, hieß es aus Washington.

Mitsotakis erklärte sich nach dem Gespräch zu einer Deeskalation bereit, wenn die Türkei ihre „Provokationen“ einstelle. Das Büro des türkischen Präsidenten teilte mit, Erdogan habe Trump „erinnert“, dass die Türkei „nicht der Unruhestifter im östlichen Mittelmeer sei“.

Der zypriotische Außenminister Nikos Christodoulides erklärte in Berlin, in Bezug auf die europäischen Werte dürfe es „keine Zweideutigkeit“ geben. Die „illegalen und provokanten Aktivitäten der Türkei“ im östlichen Mittelmeer widersprächen den Interessen der EU.


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