„Mein Freund Kurt" in der Steudltenn: Selbst der Tod entrinnt dem Tod nicht

Ein Tod, der menschelt: Hakon Hirzenberger bringt mit „Mein Freund Kurt“ eine tiefschwarze Komödie auf die Steudltenn-Bühne.

Skurrile Freundschaft: ein Tod namens Kurt (Klaus Beyer) und sein lebensmüder Klient (Klaus Rohrmoser).
© Liebentritt

Von Barbara Unterthurner

Uderns – Niemand bleibt übrig, konstatiert Anton. Das Sterben ist eben eine todsichere Angelegenheit. Für alle. In „Mein Freund Kurt“ scheint selbst der Tod dem Tod nicht entrinnen zu können. Dass ein Sprechen über das Sterben also durchaus amüsant sein kann, davon kann sich das Publikum seit Donnerstagabend beim Stück von Lothar Greger überzeugen: Die Eigenproduktion in einer Inszenierung von Regisseur Hakon Hirzenberger hatte Premiere beim Theaterfestival Steudltenn in Uderns.

Es ist dennoch nicht das erste Mal, dass die Komödie in Uderns gespielt wird – war das Stück 2010 doch nicht nur improvisierte General-, sondern auch Feuerprobe für den Spielort Tenne. Als Reminiszenz an die Anfänge wurde „Mein Freund Kurt“ anlässlich 10 Jahre Steudltenn jetzt in einer neu bearbeiteten Fassung auf die Open-Air-Bühne verlagert.

Unter den Sternen sahen rund 160 Zuschauer den Todgeweihten beim letzten Aufbäumen zu: Anton (Klaus Rohrmoser), bald 80, hat nach dem Wegsterben seiner Kartenrunde die Lebensenergie verloren. Als der Tod mit Namen Kurt (Klaus Beyer) nun in persona auf seiner Schwell­e steht, flüchtet sich Anton in Ausreden, um dem Schicksal zu entrinnen: Das Haus will noch verkauft, Haare wollen geschnitten, ein Testament aufgesetzt werden.

Und Kurt lässt sich tatsächlich breitschlagen, bei Greger ist der Sensenmann mehr guter Gesell denn übermächtiger Tod. Im Vergleich zum „Jedermann“ menschelt es bei Kurt sogar ordentlich: Trotz seines stets korrekten Auftretens im beigem Beamtenanzug (Kostüm: Andrea Bernd) wirkt er gestresst, er übersieht so manche Deadline. Der Druck setzt dem vermeintlich Unsterblichen aber auch zu: Sein Herz sticht gefährlich.

TT-ePaper gratis testen und eine von fünf Snow Cards Tirol gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt mitmachen
TT ePaper

Brillant, wie Rohrmoser und Beyer nach etwas fahrigem Start schnell in ihre Rollen wachsen und in ihren Figuren etliche neue Facetten entdecken lassen. Obwohl Lisa-Lena Tirtscher und Peter Wolf lediglich Figurenschablonen bedienen, zeigen sie sich ebenso wandlungsfähig.

Im Zentrum des Stücks steht die skurrile Freundschaft, die von einer absurden Situation in die andere stürzend nur noch inniger wird. Irgendwann landet das Duo nebeneinander auf der Intensivstation (Bühne: Gerhard Kainzner), wo Anton endlich einsieht: Seine Zeit ist gekommen. Ein einfaches Ableben ist jetzt jedoch nicht mehr möglich. Die Komödie wandelt sich zur Tragödie.

Spätestens am Ende lässt „Mein Freund Kurt“ kurz innehalte­n: Der todernste Kern des mit Slapstickelementen gespickten, tiefschwarzen Stücks tritt klar hervor. Der Stoff, der nicht nur dem „Jedermann“ oder „Brandner Kaspar“ zugrunde liegt, wird bei „Mein Freund Kurt“ gelungen zum Stück der Gegenwart. Rührend komisch!


Kommentieren


Schlagworte