Keine Abstimmung bei Verkehrspartnern: Steuer-Millionen fließen ohne System

Der Rechnungshof kritisiert die Doppelgleisigkeiten bei Ticket-Vertriebssystemen. Auch der Verkehrsverbund Tirol ist betroffen.

Um Millionen werden Ticket-Vertriebssysteme installiert, doch schlussendlich überschneiden sich die Projekte. Auch die „Buchungsmaschine Tirol“.
© Thomas Boehm / TT

Von Peter Nindler

Innsbruck, Wien – Verkehrsauskunfts- und Ticket-Vertriebssysteme sind aus dem öffentlichen Verkehr nicht mehr wegzudenken. Mit der Ausdehnung des Öffi-Netzes stieg ihre Bedeutung, doch die Etablierung von diversen Systemen erfolgte keineswegs abgestimmt. Obwohl die Systempartner wie Verkehrsverbünde, Verkehrsministerium oder die Österreichischen Bundesbahnen meist an den einzelnen Anbietergesellschaften beteiligt sind. Das hat jetzt der Bundesrechnungshof in einem aktuellen Bericht aufgezeigt und heftig kritisiert.

So wurde 2015 die Verkehrsauskunft Österreich gegründet. Gesellschafter war in der Arbeitsgemeinschaft der Verkehrsverbünde auch der Verkehrsverbund Tirol (VVT). Die Projektkosten lagen insgesamt bei 16,47 Mio. Euro, von denen der Klima- und Energiefonds 50 Prozent finanzierte. Der VVT sowie die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) und Stubaitalbahn nutzten seit Anfang 2016 die Routingservices der Verkehrsauskunft Österreich.

Aber bereits ein Jahr später starteten das Verkehrsministerium, die ÖBB-Personenverkehr AG und der VVT gemeinsam mit der IVB/Stubaitalbahn das Projekt „Buchungsmaschine Tirol“ auf Basis des ÖBB-Tickets. Ziel war es, ein gemeinsames Ticket-Vertriebssystem für all­e im Verkehrsverbund Tirol verkauften Fahrkarten umzusetzen und diese auch allen anderen interessierten Verkehrsverbünden sowie städtischen Verkehrsbetrieben anzubieten. Der Aufwand für diese „Buchungsmaschine Tirol“ betrug rund neun Mio. Euro. Auf was wurde dabei vergessen? Die Routingauskunft der Verkehrsauskunft und der Fahrkartenverkauf der „Buchungsmaschine Tirol“ waren nicht miteinander verknüpft.

Doch damit nicht genug: Im Oktober 2018 hoben beinahe die identen Systempartner – ÖBB, die Bundesländer, die Verkehrsverbünde und die Mobilitätsplattform Österreich – das Projekt „Öffentlicher Verkehr 2022“ aus der Taufe. Die Kosten dafür wurden im ersten Jahr mit einer Million Euro beziffert. Doch wieder waren die Doppelgleisigkeiten mit der Buchungsmaschine Tirol nicht zu übersehen. Aus diesem Projekt sollen nämlich ebenfalls Grundlagen für eine österreichweite, gemeinsam genutzte Vertriebsinfrastruktur aller öffentlichen Verkehrsanbieter erarbeitet werden. Beide Projekte verfolgen nach Angaben des Ministeriums ähnliche Ziele.

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Weiters merkte der Rechnungshof an, dass die Routingservices der Verkehrsauskunft Österreich weder mit dem ÖBB-Ticketshop noch mit der „Buchungsmaschine Tirol“ verbunden waren und kein Daten- bzw. Routingexport erfolgte. Die Empfehlungen liegen deshalb auf der Hand: In Abhängigkeit von den Entwicklungen der beiden Projekte „Buchungsmaschine Tirol“ und „ÖV 2022“ sollten die Strategien der Verkehrsauskunft Österreich angepasst werden. Zugleich müsste das Verkehrsministerium „nutzlose Aufwendungen“ infolge von Überschneidungen oder parallele Finanzierungen möglichst hintanhalten.


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