Salzburger Festspiele: Grubinger gab die „volle Dröhnung“

Mit Ohrenstöpseln ins Konzert? Etwas verdutzt schauten die Zuschauer drein, als ihnen die Platzanweiser im Großen Festspielhaus am Freitag zusätzlich zum Programmzettel den Gehörschutz reichten. Doch ihr Sinn erschloss sich schnell, als Martin Grubinger mit seinen „Big Three“ mit voller Kraft in die Schlagzeugschlacht an der Salzach zog.

„Es folgt die volle Dröhnung“, kündigte Grubinger an. Drei Klassiker der Schlagwerkliteratur hat er für sein Festspielprogramm ausgewählt, Werke, die mit 30-40 Jahren in diesem noch recht jungen Genre tatsächlich schon als solche gelten. Auch sein Percussive Planet Ensemble ist jung, der Jüngste gerade einmal 18 Jahre alt. Die Mitglieder sind Schüler Grubingers, der seit zwei Jahren als Professor für klassisches Schlagwerk an der Universität Mozarteum in Salzburg lehrt.

Die erste Dröhnung gab sich das Ensemble mit Wolfgang Rihms „Tutuguri VI“, welches auf einem Gedicht basiert, das der französische Schauspieler Antonin Artaud wortwörtlich im Rausch verfasste, als er sich 1936 im Norden Mexikos aufhielt und bei den Tarahumara-Indianern lebte, wo er deren Kult der schwarzen Sonne kennenlernte. Diesen Ritus vollzogen Grubinger und sein Ensemble mit Leib und Seele an den Instrumenten, zogen das Publikum mit den großen Basstrommeln in einen Rausch aus fallenden Hämmern, sich ständig überschneidenden Rhythmen und aus den Logen schallenden Becken. Immer wieder durchsetzen Schreie diesen variierenden Schlagpuls, der wie eine Dampfwalze über das Publikum wegrollte.

Um den Puls wieder etwas zu beruhigen, kam die kurze Umbaupause danach sehr gelegen. Nicht minder an Lautstärke, aber mit neuen Instrumenten ausgestattet folgte anschließend Iannis Xenakis‘ „Pleiaden“, ein durch seine Länge und Mehrteiligkeit symphonisch anmutendes Werk. Doch auch hier suchte man vergeblich nach einer Form. Beginnend mit Vibra- und Xylofon wurden der Zuhörer auch hier wieder in einen Sog aus Rhythmen gezogen.

Das visuell beeindruckendste Stück „Drumming (Part One)“ von Komponist Steve Reich beschloss das zweistündige Konzert. An einer Reihe Bongos standen sich die Musiker gegenüber und schlugen wie aus einem Guss sogenannte Phasings, eine Technik der Minimal Music, in der zwei Instrumente die selbe Stimme spielen, wobei sie sich zeitlich zuerst voneinander weg und dann wieder zueinander bewegen. Das koordinative Spektakel endete in johlendem Applaus des Publikums, der Grubinger in nicht erwartete Zugabennot brachte. „Damit haben wir nicht gerechnet. Das war wirklich radikales Zeug für 250 Eingeweihte. Aber wenn Sie uns treu bleiben, dann können Sie helfen, Neue Musik populärer zu machen“, appellierte Grubinger ins Mikrofon und bedankte sich mit einer Wiederholung der Reich-Phasings.

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