Banksy-Video zu „Louise Michel“ - Rettungsschiff in Seenot

Im Streit um den Umgang mit Flüchtlingen im Mittelmeer hat der geheimnisumwitterte Streetart-Künstler Banksy die EU kritisiert und seine Unterstützung für das Rettungsschiff „Louise Michel“ bekräftigt. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Banksy das private Rettungsschiff unterstützt, das sich am Samstag im Mittelmeer mit mehr als 200 Menschen an Bord in Seenot befand.

„Es ist ein Schiff der französischen Marine, das wir in ein Rettungsboot umgebaut haben, weil die EU-Behörden Notrufe von „Nicht-Europäern“ absichtlich ignorieren“, ist in den Untertiteln eines knapp einminütigen Videos zu lesen, das am Samstag auf Instagram veröffentlicht wurde. „Er hat das Schiff finanziert und bemalt“, bestätigte die Sprecherin einer Organisation, die eine eigene Website zur „Louise Michel“ erstellt hat, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wer der Besitzer des Schiffes ist, wollte die Sprecherin nicht sagen.

Im Video schlug Banksy auch einen ironischen Ton an. „Wie die meisten Menschen, die es zu etwas in der Kunstwelt gebracht haben, habe ich eine Yacht gekauft, um auf dem Mittelmeer herumzukreuzen“, heißt es in den Untertiteln des Videos. Unterlegt ist es mit Fotos und Videosequenzen, die unter anderem die „Louise Michel“ und schwarze Migranten im Wasser zeigen. Auf dem rosa bemalten Schiff ist auf einer Schiffswand ein Kunstwerk Banksys zu sehen, das ein Mädchen mit Schwimmweste und einem herzförmigen Rettungsring zeigt.

Banksys Identität gibt nach wie vor Rätsel auf. Bekannt ist, dass er aus Bristol im Südwesten Englands stammt und Ende der 90er Jahre nach London kam. Einen Namen machte er sich mit gesellschaftskritischen und meist kontroversen Motiven, die oft überraschend auftauchen.

Das Video, das innerhalb von drei Stunden mehr als 1,3 Millionen Mal aufgerufen wurde, endet in Anlehnung an die Bewegung „Black Lives Matter“ mit der Aufschrift: „All Black Lives Matter“ (auf Deutsch: Alle schwarzen Leben zählen).

Die unter deutscher Flagge fahrende „Louise Michel“ mit zahlreichen Migranten an Bord konnte sich nicht mehr sicher fortbewegen, wie die Besatzung twitterte. Sie befand sich am Samstag südöstlich von Lampedusa. Eine zehnköpfige Crew kümmerte sich demnach zeitweise um 219 Menschen an Bord, 33 von ihnen befänden sich noch in einer Rettungsinsel. An Bord befinde sich bereits ein Toter, andere seien verletzt.

Nach Hilferufen der Besatzung der „Louise Michel“ nahm am Samstag zunächst die italienische Küstenwache nach eigenen Angaben 49 Migranten von dem Rettungsschiff im Mittelmeer auf. Ein von der Insel Lampedusa entsandtes Patrouillenschiff habe 32 Frauen, 13 Kinder und vier Männer an Bord genommen, teilte die Behörde am Samstag mit. Diese galten demnach als am stärksten gefährdet. Die „Louise Michel“ befinde sich in maltesischen Such- und Rettungsgewässern. Auf Ersuchen der maltesischen Behörden habe man aber eine der eigenen Einheiten entsandt.

Später nahm auch das Rettungsschiff „Sea Watch 4“ Migranten von der „Louise Michel“ auf. Wie Sea Watch am Samstagabend twitterte, seien rund 150 Menschen auf das Schiff der Organisation gewechselt. Auf der „Sea Watch 4“ seien nun rund 350 Personen, „die so schnell wie möglich in einem sicheren Hafen an Land gelassen werden müssen“, schrieb die Organisation.


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