Athen weist türkische Drohungen als „Größenwahn“ zurück

Im Streit um Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer überziehen sich die NATO-Partner Griechenland und Türkei weiter mit Vorwürfen. Der griechische Energieminister Kostis Chatzidakis hielt der Türkei am Sonntag vor, mit Kriegsdrohungen eine Politik wie im 19. Jahrhundert zu betreiben. „Der Größenwahn und die Wichtigtuerei auf der anderen Seite der Ägäis sind ein schlechter Berater.“

Die Türkei hatte Griechenland zuvor für den Fall einer Ausdehnung seiner Territorialgewässer in der Ägäis offen mit dem Militär gedroht. „Wenn das kein Kriegsgrund ist, was denn sonst?“, sagte Vizepräsident Fuat Oktay der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge am Samstag. Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hatte angekündigt, die griechische Hoheitszone im - Italien zugewandten - Ionischen Meer von sechs auf zwölf Seemeilen auszudehnen.

Papst Franziskus mahnte unterdessen zur Deeskalation. Die Lage sei durch „verschiedene Herde der Instabilität“ bedroht, sagte er beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Franziskus rief zu einem konstruktiven Dialog und zur Wahrung des internationalen Rechts auf.

Im östlichen Mittelmeer werden große Erdgasvorkommen vermutet. Die Türkei erkundet den Untergrund in Seegebieten, die von Zypern oder Griechenland beansprucht werden. Die griechischen und türkischen Streitkräfte halten Manöver in der Region ab. Der Konflikt hat eine lange Vorgeschichte. Das türkische Parlament hatte auch schon 1995 eine Ausdehnung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis zum „Kriegsgrund“ erklärt.

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