Frankreichs Präsident Macron reist erneut in den Libanon

Knapp vier Wochen nach der verheerenden Explosionskatastrophe in Beirut mit mehr als 180 Toten reist der französische Präsident Emmanuel Macron am Montag erneut in den Libanon, um seine Forderung nach einem politischen Wandel in dem Land zu bekräftigen. Bei seinem ersten Besuch nach der Katastrophe Anfang August hatte Macron tiefgreifende Reformen und einen raschen Regierungswechsel angemahnt.

Am Wochenende warnte Macron, ohne Unterstützung von außen drohe dem Libanon ein erneuter Bürgerkrieg. Macron hatte nach der Explosionskatastrophe vom 4. August eine internationale Geberkonferenz für den Libanon organisiert, bei der mehr als 250 Millionen Euro Hilfsgelder zusammenkamen. Er knüpfte die Wiederaufbauhilfen jedoch an politische Reformen im Libanon.

Der Libanon sollte nach Ansicht von Präsident Michel Aoun ein „laizistischer Staat“ werden. Das derzeit herrschende konfessionelle Proporz-System sei „ein Hindernis für jegliche Reform und den Kampf gegen die Korruption“ geworden, sagte der Staatschef am Sonntagabend in einer Fernsehansprache.

Politiker und religiöse Führer müssten in den Dialog treten, um eine für alle akzeptable Lösung zu finden. „Ich bin überzeugt, dass nur ein laizistischer Staat den Pluralismus schützen kann“, erklärte Aoun. Derzeit sind Politik und Gesellschaft im Libanon geprägt von einem strengen religiösen Proporz. Viele Kritiker machen dieses System mitverantwortlich für die weitreichende Korruption und damit für die seit Jahren andauernde Krise im Land.

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Die mächtige libanesische Hisbollah erklärte am Sonntag, sie sei „offen“ für eine konstruktive Debatte über Macrons Forderung nach einem politischen Wandel. Bedingung sei jedoch, dass alle libanesischen Interessengruppen in dem Prozess berücksichtigt würden, sagte Hisbollah-Chef Hasan Nasrallah.


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