Wölfin im Tiroler Oberland: Das lange Warten auf ein Phantom

Alle paar Tage zieht im Oberland ein Einsatzkommando los und versucht eine Wölfin zu besendern. Die Höhe der Kosten steht noch nicht fest.

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© AFP

Innsbruck, Serfaus –Wo ist 70FATK? Zufriedenstellend beantworten kann diese Frage derzeit niemand. Denn die Wölfin, der diese klobige Bezeichnung gegeben wurde, ist wie ein Phantom. Zwar werden ihr mindestens 37 Nutztierrisse im Oberland zugeschrieben, gesehen wurde sie allerdings noch nie. Das macht den Plan, sie mit einem Sender auszustatten, nicht leichter.

„Die Lage beobachten wir aktuell hauptsächlich mit Kameras“, sagt Artur Birlmair, stellvertretender Landesjägermeister und im Oberland federführend in die Suche nach der Wölfin involviert. „Besonders rund um Herdenschutzprojekte. Trotz allem gab es bisher noch keine Sichtung.“ Bereits Mitte Juli war von der Landesregierung beschlossen worden, das Individuum, das aus der italienischen Population nach Tirol eingewandert ist, zu besendern. „Zwei polnische Wolfsjäger sind dazu nach Tirol gekommen“, erklärt Birlmair. „Sie haben sich zweimal auf die Lauer gelegt, mit uns gemeinsam das Projekt erarbeitet.“ Inzwischen haben diese Aufgabe heimische Einsatzkommandos übernommen. „Wir sind immer zu viert unterwegs – ein Jäger, ein Tierarzt, ein Wildbiologe und ein Verantwortlicher des Landes. Ausgestattet mit Nachtsichtgeräten und Wärmebildkamera warten wir, bis der Wolf sich auf 30 Meter nähert. Nur dann können wir mit dem Narkosegewehr treffen.“ Nicht täglich, aber „alle paar Nächte“ finden solche Aktionen im Oberland laut Birlmair derzeit statt.

Für den Kauf eines Wolfssenders 3570 Euro aufgewandt

Was kosten die Aktionen? Großteils werde auf internes Personal, die unentgeltlichen Leistungen der Jäger und bereits angekauftes Material zurückgegriffen, heißt es vom Land. Für den Kauf eines Wolfssenders wurden 3570 Euro aufgewandt. Wie hoch die Kosten für Experten aus dem Ausland und die Leistung des Tierarztes sind, ist noch unklar, weil die Abrechnung noch nicht vorliegt.

Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) hat sich, wie berichtet, in einer Stellungnahme zu einer Petition des ÖVP-Nationalrats Hermann Gahr gegen eine Aufweichung des hohen Schutzstatus des Wolfes in Österreich ausgesprochen. Während die Umweltschutzorganisation WWF das als „wichtiges politisches Signal“ bezeichnet, fordert Gahr für Österreich eine „unionsrechtliche Grundlage für die Entnahme von Wölfen“. In Finnland, Polen oder Lettland gebe es Ausnahmeregelungen, wonach die Tiere trotz Schutzstatus entnommen werden dürfen. Das fordert Gahr auch für Österreich. (bfk)


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