US-Präsident Trump reist nach Kenosha

US-Präsident Donald Trump reist am Dienstag nach Kenosha in Wisconsin. Dort war es zuletzt nach Polizeischüssen auf den Afroamerikaner Jacob Blake zu massiven Protesten gekommen. Trump will Sicherheitsbeamte treffen und bei Ausschreitungen verursachte Schäden begutachten. Kritiker werfen ihm vor, die Spannungen anzuheizen. Vor seiner Abreise kritisierte er seinen Rivalen Joe Biden scharf.

„Er ist ein schwacher Mensch, er war sein ganzes Leben lang schwach (...). Er sollte nicht für das Amt des Präsidenten kandidieren“, so der Republikaner Trump, der bei der Wahl am 3. November für eine zweite Amtszeit kandidiert. In dem Gespräch brachte Trump auch verschwörerische Verbindungen ins Spiel. Biden und die Protestbewegung würden von Menschen manipuliert, die im Verborgenen agierten. Auf die Frage, wen er damit meine, antwortete er: „Leute, von denen man noch nie gehört hat. Leute in einer dunklen Schattenwelt.“

Die teils gewaltsamen Proteste in Kenosha verurteilte Trump scharf, zu den Polizeischüssen auf Blake selbst äußerte er sich aber nicht. Auch ist kein Treffen mit der Familie von Blake vorgesehen. Ein weißer Polizist hatte den 29-jährigen Blake am 23. August durch sieben Schüsse in den Rücken schwer verletzt.

Der Präsident sagte, er habe bisher nicht mit Angehörigen Blakes gesprochen, jedoch mit dem Pastor der Familie. Dieser sei ein „wunderbarer Mann“. Blakes Familie wolle aber, dass bei einem Gespräch mit ihm - Trump - ein Anwalt zugegen sei, sagte der Präsident. Dies halte er nicht für „angemessen“.

TT-ePaper gratis testen und eine von fünf Snow Cards Tirol gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt mitmachen
TT ePaper

Der erneute Fall von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner löste Empörung und Proteste aus. Am Rande von Protesten wurden vergangene Woche zwei Menschen erschossen, als Tatverdächtiger wurde ein 17-jähriger Weißer festgenommen.

Der 17-jährige Kyle Rittenhouse hatte mit einem Sturmgewehr auf drei Demonstranten geschossen, zwei starben. Rittenhouse wurde als Erwachsener wegen zwei Mordfällen ersten Grades und eines Mordversuchs angeklagt. Sein Anwalt kündigte an, er werde auf Notwehr plädieren.

Trump verteidigte den 17-Jährigen. „Er hat versucht, von ihnen wegzukommen und dann ist er gefallen und dann haben sie ihn sehr heftig angegriffen“, sagte Trump am Montag zu dem Vorfall. „Ich denke, er war in großer Not, er wäre wahrscheinlich getötet worden.“

Das Geld für die Proteste kommt nach Trumps Darstellung „von einigen sehr dummen reichen Leuten“. Diese hätten vergangene Woche auch eine Demonstration vor dem Weißen Haus zum Ende des Republikaner-Parteitags finanziert. Ein Teilnehmer seiner Partei habe ihm erzählt, dass in dem Flugzeug, in dem er angereist sei, zahlreiche Schlägertypen in dunklen Uniformen nach Washington unterwegs gewesen seien. Von wem diese Angaben stammten, sagte Trump nicht.

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden gab unterdessen Trump eine Mitschuld an der tödlichen Gewalt am Rande von Protesten. „Es brennen Feuer, und wir haben einen Präsidenten, der die Flammen anfacht“, sagte Biden am Montag in der Stadt Pittsburgh. „Er kann die Gewalt nicht stoppen, weil er sie seit Jahren schürt.“ Der Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei warf Trump am Montag in einer knapp halbstündigen Ansprache Unfähigkeit und Scheitern vor - in der Coronakrise wie in der Reaktion auf die anhaltenden gewaltsamen Proteste in amerikanischen Städten.

„Glaubt irgendjemand, dass es in den USA weniger Gewalt geben wird, wenn Donald Trump wiedergewählt wird?“ fragte Biden, der den Republikaner bei der Wahl am 3. November herausfordern wird. „Er mag glauben, dass ihn die Worte Recht und Ordnung stark erscheinen lassen. Aber sein Unvermögen, seine eigenen Anhänger aufzurufen, nicht weiter wie eine bewaffnete Miliz in diesem Land aufzutreten, zeigt, wie schwach er ist.“

Zugleich verurteilte Biden mit scharfen Worten Ausschreitungen am Rande von Anti-Rassismus-Protesten. „Krawalle sind kein Protest. Plünderungen sind kein Protest. Brandstiftung ist kein Protest. Das ist schlicht und ergreifend Gesetzlosigkeit.“ Die Verantwortlichen für solche Taten müssten zur Rechenschaft gezogen werden. „Gewalt wird keinen Wandel bringen“, sagte der 77-Jährige. „Sie wird nur Zerstörung bringen.“


Kommentieren


Schlagworte