Bewerbung via Smartphone? Die Zukunft der Jobsuche wird mobil

Ist unser Bewerbungsprozess adäquat? Nein, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Knapp drei Viertel der Generation Y und Z wollen sich künftig am Smartphone bewerben. Viele Unternehmen sehen das kritisch.

Die Generation Y und Z will sich laut einer aktuellen Studie künftig vor allem am Smartphone bewerben. Das bedeutet für Unternehmen, die Personal suchen, eine Modernisierung des Bewerbungsprozesses, auf den sie sich rasch einstellen sollten.
© Getty Images

Von Nina Zacke

Wien – An den PC setzen, Motivationsschreiben formulieren, Lebenslauf verfassen, Dienstzeugnisse einscannen: Bewerbungen haben sich in den letzten 20 Jahren kaum verändert. Auch im Jahr 2020 verlangen einige Unternehmen sogar noch, dass diese postalisch eingereicht werden. Aber ist dieser Bewerbungsprozess adäquat? Und will sich die Generation Y und Z in Zukunft auf diese Art bewerben?

Knapp drei Viertel der jungen Österreicher wollen sich künftig nicht mehr derart auf Jobsuche begeben. Sie möchten sich am Smartphone bewerben, und das in unter 30 Minuten. Das ist das Ergebnis einer kürzlich veröffentlichten Studie, die die FH Wien der Wirtschaftskammer Wien in Kooperation mit der Job-Plattform hokify im Mai dieses Jahres erhoben hat.

Demnach erwarten sich junge Arbeitnehmer mehr Mobilität, eine schnelle Bewerbungserstellung und einen transparenten Bewerbungsverlauf. Jeder fünfte Befragte mit einem Pflichtschulabschluss als höchste Ausbildung will indes für ein­e Bewerbung überhaupt nur maximal zehn Minuten aufwenden. Diese Entwicklung zur schnellen und einfachen Bewerbung sehen viele Unternehmen kritisch, sagt Karl Edlbauer, Geschäftsführer der Job-Plattform hokify. Zu Recht, werden viele denken.

Karl Edlbauer (hokify-Geschäfsführer): „Wenn ich eine mobile Bewerbung anbiete, kann ich den Prozess nicht 1:1 von vorher übernehmen.“
© hokify

Es sei so stark in den Köpfen verankert, dass Mobilität, also etwa das Bewerben am Smartphone, nicht die Seriosität habe wie beispielsweise eine Bewerbung am Computer. Genau hier liegt für Edlbauer ein essentieller Aspekt: Wenn ich eine mobile Bewerbung anbiete, könne ich den Prozess nicht 1:1 von vorher übernehmen, erklärt er. Schon alleine deswegen nicht, weil die Übersichtlichkeit am Smartphone eine andere ist als vergleichsweise am PC. Zwei Drittel der Bewerber springen ab, wenn sie am Handy ein Motivationsschreiben hochladen sollen, weiß Edlbauer. „Speziell hier müssen viele Unternehmen mit traditionellen Bewerbungsprozessen nachbessern und sicherstellen, dass es keine Bewerbungsformulare gibt, die eine Bewerbung am Smartphone unmöglich machen“, ergänzt Edlbauer die Ergebnisse der Studie.

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Mobilität werde immer wichtiger, vor allem für die jungen Arbeitnehmer der Generation Y und Z. Und viele Arbeitgeber wissen bereits, dass sie mobil werden müssen, betont Edlbauer. Das heißt, der Bewerbungsprozess müsse sich radikal verändern. „Wenn ich potenzielle Mitarbeiter mobil erreichen will, muss der Bewerbungsprozess umgestellt und modernisiert werden“, erläutert der hokify-Geschäftsführer. Arbeitgeber müssten den Prozess weiterentwickeln und überdenken, wie sie sich bei einer mobilen Bewerbung individualisieren können. Welche Informationen brauche ich vom Bewerber? Welche Aspekte eines Motivationsschreibens interessieren mich? Und wie kann ich diese am effizientesten abfragen, damit sie am Handy beantwortbar sind? Denkbar wäre etwa ein Frage-Antwort-Spiel. Wer einen passenden Kandidaten suche, solle sich beispielsweise zwei bis drei Fragen überlegen, die dem Bewerber am Smartphone im Rahmen einer Chat-Funktion gestellt werden. Der Studie zufolge wünschen sich 66 Prozent der Teilnehmer nämlich genau eine solche Bewerbung im Chat-Format.


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