25.000 Besucher bei Wiener „Gürtelfrische West“

Das in der Nähe des Wiener Westbahnhofs auf einer Gürtel-Kreuzung errichtete Freizeitgelände „Gürtelfrische West“ ist von 25.000 Besuchern frequentiert worden. Der dort befindliche kleine Pool wurde 15.000 Mal genutzt. Das teilten Verkehrsstadträtin Birgit Hebein (Grüne) und die Bezirksvorsteher von Neubau, Markus Reiter (Grüne), und Rudolfsheim-Fünfhaus, Gerhard Zatlokal (SPÖ), am Dienstag mit.

„Wir haben gezeigt, was alternative Stadtplanung möglich macht“, lobte Hebein das, wie sie sagte, erfolgreiche „Gesamtexperiment“. Die Gesamtkosten wurden heute mit 160.000 Euro angegeben. Das ist um 10.000 Euro mehr als veranschlagt, weil die Öffnungszeiten ausgedehnt worden seien, wurde betont.

Die temporäre Planschgelegenheit war am 7. August gestartet. Zwischenzeitlich wurden die Betriebszeiten des Pools von 20.00 auf 21.00 Uhr ausgeweitet. Die anderen Bereiche, also etwa die Grünfläche oder das Gastro-Kiosk, standen bis zum vergangenen Wochenende täglich bei freiem Eintritt bis 22.00 Uhr zur Verfügung.

Das Projekt bot neben Liegeflächen, Gastronomie und einem Bus mit Übernachtungsgelegenheit auch ein Bewegungs-, Sport- und Kulturprogramm. Im Zentrum, auch der öffentlichen Debatte, stand aber das 33 Quadratmeter große Schwimmbad. Die Stadt überlegt nun, das Becken samt Technik anzukaufen, sagte Hebein.

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Es sei zunächst vereinbart worden, den Pool von den aktuellen Betreibern zu mieten. Mit Jahresende gibt es überdies eine Option, ihn zu kaufen. Was dies kosten würde, sei noch offen, hieß es. Unklar ist auch noch, wie es kommendes Jahr weitergeht. Die beiden Bezirksvorsteher - vor allem Gerhard Zatlokal aus dem 15. Bezirk äußerte ausdrücklich den Wunsch - können sich vorstellen, die Gürtelfrische noch einmal zu beherbergen.

Wie Hebein betonte, gibt es aber bereits auch Anfragen aus anderen Bezirken sowie von Städten aus Österreich und Deutschland. Denn das „Pionierprojekt“, so hob sie hervor, sei international beachtet worden. Es sollte Menschen „zusammenbringen“ und nicht zuletzt jenen Bewohnern zugutekommen, die entlang des stark frequentierten Gürtels wohnen. „Wien war wieder einmal Vorreiterin“, hielt Hebein fest. Man habe gezeigt, was der öffentliche Raum alles könne.

Auch der befürchtete Stau oder das von manchen prognostizierte „Verkehrschaos“ sei ausgeblieben. Dies habe sie zum Anlass genommen, in dem Bereich verkehrsberuhigende Maßnahmen zu überlegen. Sie habe einen entsprechenden Planungsauftrag erteilt, berichtete die Ressortchefin.

„Die Kritik ist eher von Menschen gekommen, die sich das ganze Jahr einen Pool leisten können“, mutmaßte die Vizebürgermeisterin. Vor allem FPÖ und ÖVP haben die Gürtelfrische wiederholt ins Visier genommen. Zumindest in Neubau haben die beiden Parteien dem Vorhaben jedoch zugestimmt, verriet Bezirkschef Reiter. Verkehrsberuhigung bedeute jedenfalls mehr Lebensqualität, zeigte er sich überzeugt. Zudem müssten Barrieren zwischen innerem und äußerem Gürtel abgebaut werden.

Reiter betonte auch, dass die Wasserqualität des Pools einwandfrei gewesen sei. Dies hätten auch Untersuchungen bestätigt. Der Zugang zum Schwimmbecken war streng reglementiert - was an den Coronavirus-Sicherheitsmaßnahmen lag, die dort zum Einsatz kamen. Es durften sich lediglich sechs Personen gleichzeitig im Wasser aufhalten.

„Wieso geht man gleich auf die Schiene des Negativen?“, ärgerte sich der Bezirksvorsteher des 15. Bezirks, Zatlokal. Das Projekt habe den einzelnen Steuerzahler gerade zwölf Cent gekostet, rechnete er vor. „Ich bin stolz, dass wir es umgesetzt haben.“ Maßnahmen gegen Autofahrer seien dies nicht, beteuerte er. Die Menschen, die im Bezirk wohnen, würden jedoch unter dem starken Durchzugsverkehr leiden.

Zatlokal hatte ursprünglich vor, den Pool in einem Park vorübergehend weiterzuverwenden. „Das wurde von einer Magistratsabteilung verhindert“, beklagte der SPÖ-Politiker. Denn im Rathaus sei ihm beschieden worden, dass er das Budget damit nicht widmungsgemäß verwende. „Schade, dass Beamte bestimmen, was die Politik machen darf“, zeigte er kein Verständnis für diesen Schritt.

Die ÖVP äußerte am Dienstag einmal mehr Kritik: „Dass Stadträtin Hebein ihr Gürtel-Projekt samt Pop-up-Pool huldigt, ist absolut nicht nachvollziehbar. Das einzige, was baden gegangen ist, ist das Steuergeld der Wienerinnen und Wiener“, sagte der nicht amtsführende Stadtrat Markus Wölbitsch. Das Projekt sei für alle Verkehrsteilnehmer ein „Hemmschuh“ und auch eine Gefahrenquelle gewesen.

Der Wiener FPÖ-Chef und nicht amtsführende Vizebürgermeister Dominik Nepp zeigte sich in einer Pressemitteilung vor allem darüber erbost, dass die Stadträtin weitere verkehrsberuhigende Maßnahmen in Aussicht stellte. Er attestierte ihr „völligen Realitätsverlust durch blanken Hass auf Autofahrer“.


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