2019 deutlich weniger Mindestsicherungs-Bezieher als davor

Noch einmal einen deutlichen Rückgang hat es 2019 bei der Mindestsicherung gegeben - ehe heuer in Folge der Corona-Pandemie ein starker Anstieg der Bezieher zu erwarten ist. 2019 bekamen 267.683 Personen die Unterstützung, das waren um 7,6 Prozent (21.963) weniger als 2018, geht aus der am Dienstag veröffentlichten Jahreserhebung der Statistik Austria hervor.

Nach jahrelangem Anstieg war schon seit 2017 eine Trendumkehr festgestellt worden. Das ordentliche Wirtschaftswachstum und dessen positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt machten weniger Unterstützung notwendig. Die Zahl der Bezieher reduzierte sich deutlich. 2019 fiel der Rückgang mit fast acht Prozent noch kräftiger aus als 2018, erläuterte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas die Entwicklung.

Festzustellen war der Rückgang im Vorjahr in allen Bundesländern. Besonders deutlich fiel er in Oberösterreich (14,2 Prozent) aus, am vergleichsweise geringsten in Niederösterreich und Tirol (5,0 Prozent). In Wien verringerte sich der Bezieherkreis um 6,9 Prozent.

Auch die Ausgaben der Länder und Gemeinden sanken deutlich - wenn auch nicht im selben Ausmaß: 913 Mio. Euro wurden 2019 für die Mindestsicherung ausgegeben, 863 Mio. Euro davon für Lebensunterhalt und Wohnen, 50 Mio. für Krankenhilfe. Das waren um drei Prozent (28 Mio. Euro) weniger als 2018 - und machte damit weniger als ein Prozent der Sozialausgaben insgesamt aus.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaper

Die Bezieher erhielten durchschnittlich 668 Euro für Lebensunterhalt und Wohnen. In Vorarlberg (805 Euro) und Tirol (758 Euro) war der Leistungsanspruch pro Bedarfsgemeinschaft am höchsten, in Oberösterreich (512 Euro) und dem Burgenland (534 Euro) am niedrigsten. Umgerechnet auf eine Person betrug die monatliche Mindestsicherung 339 Euro - mit ziemlich großen Länderunterschieden, nämlich von 267 Euro in Oberösterreich bis 354 Euro in Wien.

Insgesamt entfiel der Löwenanteil, wie immer, auf Wien: 155.747 der 267.683 unterstützten Personen lebten in der Bundeshauptstadt. Zwei Drittel der Ausgaben (607 Mio. Euro) leistete Wien, 7,1 Prozent der Wiener bezogen 2019 Mindestsicherung.

Die nächsthöheren Mindestsicherungs-Ausgaben hatten die Steiermark und Oberösterreich mit rund 67 Mio. Euro, im kleinsten Bundesland Burgenland waren es 8,7 Millionen. Das Burgenland hatte auch die geringste Bezugsquote (0,7 Prozent der Bevölkerung), ähnlich niedrig (0,8) war sie in Kärnten und Oberösterreich. Am oberen Ende - hinter Wien - lagen bei den Bezugsquoten Vorarlberg (1,7 Prozent) und Tirol (1,5 Prozent). Im österreichweiten Durchschnitt bekamen 2019 2,4 Prozent der Einwohner Mindestsicherung.

Unter den Beziehern fanden sich knapp mehr Frauen (52 Prozent) als Männer. Der Anteil der Kinder lag bei 38 Prozent; 92 Prozent davon waren minderjährig - und 17 Prozent dieser Kinder erhielten nicht Mindestsicherung, sondern ihr Bedarf wurde (zumeist) durch Unterhaltszahlungen eines getrennt lebenden Elternteils gedeckt. Überdurchschnittlich hoch war der Kinderanteil in Tirol (45 Prozent) und Oberösterreich (40 Prozent).

Werden die nicht unterstützten Kinder in die Zählung miteinbezogen, lebten im Verlauf des Vorjahres 287.593 Personen (das waren um 7,4 Prozent weniger als 2018) in einer der 154.058 Bedarfsgemeinschaften mit Mindestsicherungsbezug.

Jeweils 46 Prozent der Mindestsicherungsbezieher waren Österreicher und Personen aus Drittstatten, der Rest setzt sich aus EU-, EWR- und Schweizer Staatsangehörigen sowie sonstigen (etwa Staatenlosen) zusammen. 37 Prozent der Unterstützten waren Asylberechtigte (33 Prozent) oder subsidiär Schutzberechtigte (vier Prozent).

Auch die Dauer des Bezugs hat die Statistik Austria erhoben: 72 Prozent erhielten länger als ein halbes Jahr Mindestsicherung. Während in Wien mehr als drei Viertel länger als sechs Monate im Leistungsbezug standen, waren es im übrigen Österreich maximal zwei Drittel. Die durchschnittliche Bezugsdauer in der Bundeshauptstadt belief sich auf 9,5 Monate, in den anderen Länder reichte sie von 6,2 Monaten (Vorarlberg) bis 8,6 Monaten (Burgenland).


Kommentieren


Schlagworte