Türkei weist Spitzelvorwürfe zurück und spricht von „Besessenheit“

Geheimdienstexperte berichtet von zunehmender Spionagetätigkeit der Türkei nach dem Putsch 2016. Elf Österreicher in der Türkei in Haft.

Unterstützung von kurdischen Aktivitäten in Österreich kann zur Festnahme in der Türkei führen.
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Wien, Ankara – Auf diplomatischer Ebene sind die Formalitäten nach den Vorwürfen gegen den türkischen Geheimdienst erledigt: Ein Vertreter der türkischen Botschaft in Wien war ins Außenamt geladen, um sich den Unmut über die mutmaßliche Spitzelaktion anzuhören. Umgekehrt wurde ein österreichischer Diplomat ins türkische Außenministerium in Ankara zitiert. Und der Sprecher des türkischen Außenministeriums sprach von „unbegründeten Behauptungen“ und einer „Anti-Türkei-Besessenheit“ Österreichs.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hatte am Dienstag vom Fall einer Frau mit kurdisch-türkischen Wurzeln berichtet, die unter Druck dazu gebracht worden sei, Landsleute zu bespitzeln. Die mutmaßliche Spionin sei geständig. Eine Anklage sei zu erwarten.

Das ist kein Einzelfall: Die Spionagetätigkeit seitens der Türkei habe nach dem gescheiterten Putsch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan 2016 zugenommen, berichtet Geheimdienstexperte Thomas Riegler. Gleichzeitig ändern die österreichischen Behörden ihre Strategie: Traditionell hätten sie bei Spionagetätigkeit in Wien oft weggeschaut. Dies sei aber nicht mehr möglich, weil die türkische Community immer mehr ein Teil von Österreich werde und auch die innere Sicherheit gefährdet sei.

Aktuell elf Österreicher in türkischer Haft

Dazu könnte passen, dass ein türkisch-kurdischer Verein in Wien gestern von einem Brandanschlag auf sein Lokal berichtete. Laut Polizei wurde ein Zettel auf einer Anschlagtafel angezündet. Wenige Stunden vor dem Anschlag hatte Nehammer über die Spitzelvorwürfe informiert.

Die mutmaßliche Spionin soll vom türkischen Geheimdienst angeworben worden sein, nachdem sie bei der Einreise in die Türkei festgenommen worden war. Aktuell sitzen elf Österreicher in türkischer Haft, 16 weitere Personen dürfen die Türkei nicht verlassen. Der Vorwurf lautet meist auf Terror-Unterstützung. Dazu kann auch die Unterstützung kurdischer Vereine zählen, die in Österreich erlaubt und in der Türkei verboten sind.

Informationen darüber kommen oft von Spitzeln. Laut einem Experten ermitteln die österreichischen Behörden gegen mehrere dutzend Personen wegen Spionage für die Türkei. (APA, sabl)


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