Beutegreifer

Streit um Wolf spitzt sich zu: Jäger wollen nicht länger bei Rissen zahlen

13.400 Euro wurden über die Versicherung des Jägerverbandes heuer bereits für 53 getötete Tiere ausgezahlt.
© Thomas Boehm / TT

Land und Jägerschaft streiten darüber, wer Bauern für von Beutegreifern getötete Nutztiere entschädigen soll.

Innsbruck – Als Konsequenz aus den rund 100 Rissen von Schafen durch umherziehende Wölfe will der Tiroler Jägerverband nicht mehr die über seine Versicherung gedeckten Schäden bezahlen. Heuer mussten bisher 13.400 Euro für 53 Schafe abgegolten werden. Kritik übt Landesjägermeister Toni Larcher an dem zuletzt gegründeten Verein „Alm ohne Wolf“. Wenig Rückhalt für die Schafbauern kommt von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) für eine Initiative der Tiroler ÖVP-Nationalräte zum Schutz der Almwirtschaft.

Die geforderte Herabsetzung des Schutzstatus falle nicht in ihre, sondern in die Zuständigkeit des Umweltministeriums. Die Problematik der Nutztierhaltung unter dem Einfluss von Großraubtieren könne nur durch Zusammenarbeit der involvierten Bundesministerien sowie der Bundesländer im europäischen Rechtsrahmen abgeklärt werden. Die EU ist bekanntlich gegen ein Aufweichen des Wolfs-Schutzes.

"Da darf die Frage nach der Ernsthaftigkeit dieser Maßnahmen gestellt werden"

Die Auseinandersetzung um die großen Beutegreifer nimmt in Tirol an Schärfe zu: Jetzt feuert Landesjägermeister Toni Larcher nicht nur Breitseiten gegen den jüngst gegründeten Verein „Alm ohne Wolf“, sondern wirft dem Land den Fehdehandschuh hin. Die Jäger wollen nicht mehr die seinerzeit vereinbarte Versicherung für die Risse von Weidetieren zahlen.

Larcher kritisiert offen den unter Federführung des Präsidenten der Landwirtschaftskammer (LK), Josef Hechenberger, gegründeten Verein. „Wenn sich nur in Tirol ein Verein gründet, der sich mit Wolf und Bär befasst, und seitens der Hauptakteure in den letzten Jahren wenig bis gar nichts zu dem Thema zu hören war, darf die Frage nach der Ernsthaftigkeit dieser Maßnahmen gestellt werden.“ Zugleich macht sich Larcher Sorgen darüber, dass durch Wolf und Bär das Rotwild weiter unter Druck gerät. Weil es sich nicht mehr aus den Einständen wagt und dort vermehrt für Wildschäden sorgt.

Deshalb will der Jägerverband künftig den betroffenen Jagdpächtern zur Seite stehen, aber nicht mehr für Tierrisse aufkommen. „In Abstimmung mit dem Präsidium werde ich der Vollversammlung vorschlagen, künftig nicht mehr wie bisher die Schäden von Großraubtieren für gerissene Weide- und Nutztiere in Tirol zu ersetzen“, sagt Larcher. Heuer wurden über die Versicherung des Jägerverbands 13.400 Euro für 53 getötete Tiere ausgezahlt. Weitere sieben Anträge für Dutzende Schafe werden noch behandelt. Im Land nimmt man die Ankündigung pragmatisch zur Kenntnis und verweist darauf, dass der Jägerverband jährlich rund 300.000 Euro von der öffentlichen Hand erhält.

"Unser Ziel ist es, das romantisierte Bild des Wolfes geradezurücken"

„Ausdiskutiert“ gehöre die Frage der Versicherung zwischen Landespolitik und Jägerverband, sagt LK-Präsident Hechenberger. Den Bauern selbst sei nur wichtig, „dass es irgendwo eine finanzielle Absicherung gibt“. Er könne den Unmut der Jägerschaft durchaus nachvollziehen, da „die Zahl der getöteten Tiere und deshalb auch die Entschädigungszahlungen in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben.“ Nicht gelten lässt Hechenberger die Kritik am Verein „Alm ohne Wolf“, dessen Obmann er ist. 500 Unterstützer hat die Initiative bereits, sogar der bayerische Bauernverband gehöre laut Hechenberger dazu. „Unser Ziel ist es, das romantisierte Bild des Wolfes geradezurücken. Von Tirol ausgehend soll das ein europäisches Thema werden.“

Was wohl für Diskussionen sorgen dürfte: In einer Stellungnahme zur Initiative aus Tirol betont Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (VP), dass für die Herabsetzung des Schutzstatus des Wolfes das Umweltministerium und für den Jagd- und Naturschutz die Bundesländer verantwortlich seien. Und die Wölfe würden einem strengen Schutz unterliegen.

Genetische Untersuchungen haben indes bestätigt, dass zwei Wölfe Mitte August im Unterland wie auch im Wipptal mehrere Schafe getötet haben. Laut Behörden ist in Navis ein Individuum aus der italienischen Population für zahlreiche Risse zwischen 11. und 18. August verantwortlich. In Wattenberg wurde am 19. August ein Weidetier Opfer eines Wolfes aus der mitteleuropäischen Tieflandpopulation, sprich aus Polen oder Deutschland. Ein Tier dieser Herkunft stellt in Tirol heuer ein Novum dar. (pn, bfk)

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