In Debatte über die Verlegung von „Stolpersteinen“ kommt Bewegung

Ruf nach einer „Vielfalt an Erinnerungsformen“ wird lauter, die Politdebatte läuft indessen voll an.

Harald Büchele möchte am Haydnplatz den ersten Innsbrucker „Stolperstein“ – für Alfred Graubart (1895–1980) – verlegen lassen.
© Domanig

Innsbruck – Die Debatte über die mögliche Verlegung von „Stolpersteinen“ zur Erinnerung an Opfer des Nazi-Regimes in Innsbruck nimmt weiter Fahrt auf. Wie berichtet, hat eine private Initiative bei der Stadt darum angesucht, einen ersten solchen Gedenkstein am Gehsteig vor dem Haus Haydnplatz 8 verlegen lassen zu dürfen – zur Erinnerung an Alfred Graubart, der beim Novemberpogrom 1938 brutalst misshandelt wurde und vor der NS-Verfolgungspolitik flüchten musste.

Wie berichtet, hat die Innsbrucker Stadtpolitik 2019 beschlossen, auf Stolpersteine als „statische“ Gedenkform zu verzichten und stattdessen die Reihe „gedenk_potenziale“ ins Leben gerufen: Jedes Jahr am 5. Mai, dem Tag der Befreiung des KZ Mauthausen, solle damit ein neues, im öffentlichen Raum stattfindendes Projekt mit 20.000 Euro gefördert werden, erklärt Kulturreferentin Vize-BM Uschi Schwarzl (Grüne).

Bildungsstadträtin Elisabeth Mayr (SPÖ) hatte im Kulturausschuss einen Antrag zur Verlegung von „Stolpersteinen“ eingebracht. Damals sei von den beigezogenen Historikern bzw. Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) jedoch das klare Signal gekommen, dass eine „neue und kreative Form der Auseinandersetzung“ bevorzugt werde, so Mayr. Auch Schwarzl betont, dass dies „die Grundlage des politischen Verzichts auf diese Gedenkform“ war.

„Die Stadt sollte für eine Vielfalt von Erinnerungsformen offen sein“

Aufgrund der aktuellen Debatte und „möglicherweise geänderter Sichtweisen“ werde sie die Diskussion über Stolpersteine aber wieder auf die Tagesordnung des Kulturausschusses setzen, erklärt Schwarzl. „Die Stadt sollte für eine Vielfalt von Erinnerungsformen offen sein“, meint Mayr. „Wenn es seitens der IKG Einigkeit gibt, dass sie auch Stolpersteine möchte, sollte die Stadt dies im Sinne eines Sowohl-als-Auch möglich machen.“

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Die Landtagsabgeordneten Andrea Haselwanter-Schneider und Markus Sint (Liste Fritz) unterstützen die private Stolperstein-Initiative voll und ganz: „Die unterschiedlichen Zugänge können unterschiedliche Menschen ansprechen.“ Sowohl die Stolpersteine als auch die „gedenk_potenziale“ hätten Platz in der Erinnerungskultur. (md)


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