Trockenes Feucht-Biotop in Wörgl: „Steinbruch ist nicht schuld“

Der Wassermangel in der Wörgler Filz hat laut Gutachter nichts mit dem Steinbruch zu tun. Dessen geplanter Ausbau befeuert die Angst ums Biotop.

Im Sommer 2019 waren die Teiche bereits extrem seicht. Heuer waren sie fast zur Gänze ausgetrocknet.Fotos: Ringler
© Ringler

Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Wo ist das Wasser hin? Im Wörgler Feucht-Biotop Filz wird es immer trockener. Das Leben seltener Amphibien-, Insekten- und Pflanzenarten steht mit dem 4,8 Hektar großen, geschützten Landschaftsteil auf dem Spiel. Hat der angrenzende Steinbruch damit zu tun? Nein, sagen die Sachverständigen der Behörden. Dass das Unternehmen nun sein Abbaugebiet ausweiten will, stößt jedoch auf wenig Freude (die TT berichtete). Und der Filz rinnt mit dem Wasser die Zeit davon.

Die Tümpel schwinden dahin, die beiden Teiche werden von Jahr zu Jahr seichter, teilweise gleichen sie nur noch einer Schlammpfütze. Maria Ringler schlägt Alarm. Seit zehn Jahren pflegt die Wörglerin das Naturjuwel im Ortsteil Lahntal ehrenamtlich, wurde dafür bereits mit der Verdienstmedaille des Landes geehrt.

Ein regenarmer Frühling, heiße Sommer und die wachsende Vegetation (größere Bäume = mehr Wasserbedarf) dürften Ursachen für den Wasserschwund sein. Doch Ringler – sie steht in engem Kontakt mit dem Schutzgebietsbetreuer des Landes – vermutet seit Langem, dass bei den Arbeiten im leicht höher gelegenen Steinbruch Quellen abgegraben wurden.„Das Wasser rinnt nicht mehr herunter.“

Die Teiche im Sommer 2019.
© Ringler

Das dementiert Josef Kurasch, Standortleiter der Mineral Abbau GmbH. Der Vorwurf stehe seit Jahren im Raum, mehrere Gutachten hätten dies widerlegt. „Der Steinbruch hat mit dem Grundwasserproblem der Filz nichts zu tun“, stellt er fest.

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Bei der Bezirkshauptmannschaft Kufstein bestätigt man dieses Erkenntnis der Sachverständigen, das nun im Zuge der angesuchten Steinbruchs­erweiterung erneut diskutiert wird. Heute Donnerstag findet die naturschutzrechtliche Verhandlung für die Erweiterung statt. Man werde sicherlich die Frage stellen, „ob zusätzliche Beeinträchtigungen bei einem zukünftigen Abrücken der Abbautätigkeiten von der Filz möglich sind“, heißt es von der BH. 2,8 Mio. Kubikmeter Gestein will man in den kommenden 40 bis 50 Jahren auf einer Fläche von 3,7 Hektar abtragen.

Die Stadtgemeinde Wörgl wird sich bei der Verhandlung gegen die Erweiterung aussprechen – so beschloss es der Gemeinderat, wie berichtet, im November 2019. Auch dort fürchtet man sich vor negativen Folgen für die Filz.

Die Tiroler Landesumweltanwaltschaft habe für heute noch „einige offene Fragen“ zum Gutachten, ließ man durchblicken.

„Gemeinsam können wir eine tolle Lösung finden"

Steinbrucherweiterung hin oder her – für die Filz braucht es schnell eine Lösung, ruft Ringler zur gemeinsamen Rettungsaktion auf. Gemeinde, Unternehmer, Landwirte und sonstige Unterstützer – jeder sei willkommen. Sogar die Feuerwehr setzte sich bereits für das Biotop ein und gab zur Rettung von Flora und Fauna „Wasser marsch!“. Ringler hat eine vage Idee: Waal-Wege, wie man sie oft in Südtirol findet. Bewässerungsgräben entlang des bestehenden Forstweges könnten etwa vom Lahnbach aus den Wasserhaushalt im Biotop regeln. Die Zufuhr ließe sich bei Bedarf mit Schleusen dicht machen. „Gemeinsam können wir eine tolle Lösung finden und die Filz retten“, ist die dreifache Großmutter überzeugt. „Da besteht ja auch ein großes öffentliches Interesse.“

Letzteres gelte auch für die Steinbrucherweiterung, wirft Kurasch ein. „Jeder will eine Betonterrasse und Weg­e, aber niemand den Steinbruch.“ Die Filz sei ein künstlich angelegtes Biotop, Gestein werde im Lahntal hingegen schon seit den 1950er-Jahren abgebaut.


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