Moskauer Ermittler wollen Auskunft von Berlin zu Nawalny

Im Fall des mutmaßlich vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny haben russische Ermittler einem Zeitungsbericht zufolge von Deutschland Auskunft über medizinische Erkenntnisse eingefordert. Das Blatt „RBC“ berichtete am Mittwoch, der Moskauer Generalstaatsanwalt habe ein entsprechendes Gesuch an das Justizministerium in Berlin gestellt.

Die russische Behörde wolle Auskunft über die Behandlung Nawalnys, Ergebnisse von Blut- und Urintests sowie Erkenntnisse über Stoffe, die dabei gefunden worden seien. Nawalny wird seit dem 22. August in der Berliner Charite behandelt.

Vom Generalstaatsanwalt in Moskau war zunächst keine Bestätigung zu erhalten. Das Justizministerium in Berlin äußerte sich vorerst ebenfalls nicht. Nach ersten Erkenntnissen der Charite wurde Nawalny ein Gift verabreicht. Die Hintergründe sind aber nach wie vor unklar. Russische Sicherheitsbehörden haben dagegen bisher erklärt, sie sähen keinen Anlass für Ermittlungen. Anzeichen für eine Straftat gebe es nicht. Russische Ärzte hatten erklärt, dass sie keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden hätten.

Die Charite hatte sich zuletzt am vergangenen Freitag zu dem Fall geäußert. In einer Erklärung teilte das Universitätsklinikum mit, dass sich die Vergiftungssymptome bei Nawalny zurückbildeten. Sein Zustand sei stabil, er befinde sich weiter auf einer Intensivstation im künstlichen Koma und werde maschinell beatmet. Akute Lebensgefahr bestehe nicht, Langzeitfolgen der „schweren Vergiftung des Patienten“ seien aber nicht absehbar.

Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland zusammengebrochen. Zunächst wurde er im sibirischen Omsk behandelt, bevor er nach Deutschland geflogen wurde. Russland wird für mehrere Giftattentate auf Kremlkritiker verantwortlich gemacht.


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