„Früh aufstehen schaffe ich auch ganz ohne Wecker“

Manfred Westreicher aus Inzing ist seit drei Jahren als Zeitungszusteller im Einsatz – und hält sich auf diese Weise nicht zuletzt körperlich fit.

Perfekt eingespielt: Bis zu 2500 Zeitungen bringt Manfred Westreicher jeden Monat pünktlich nach Hause zu den Abonnenten.
© Vanessa Rachlé / TT

Inzing, Innsbruck – Am 4. September 1833 hat Barney Flaherty, der als der erste Zeitungsausträger gilt, seinen Job bei der New York Sun begonnen. Aus diesem Anlass findet jährlich am 4. September, also genau heute, der Tag der Zeitungszusteller statt – und rückt deren wichtige Arbeit in den Fokus.

Die Lektüre der Tiroler Tageszeitung beim Frühstück ist für Zehntausende Tiroler selbstverständlich. Sie ist ca. 950 Zeitungszustellerinnen und -zustellern zu verdanken, die in den frühen Morgenstunden zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung unterwegs sind, um die druckfrischen TT-Exemplare sowie andere Zeitungen und Zeitschriften zu den Abonnenten zu bringen.

Einer von ihnen ist Manfred Westreicher aus Inzing. Seit drei Jahren ist der 65-Jährige als Zusteller tätig und bringt in Inzing sowie im westlich gelegenen Weiler Toblaten monatlich rund 2000 bis 2500 Zeitungen pünktlich in die Haushalte der Leserschaft.

44 Jahre lang war Westreicher als Berufssoldat tätig. „Ich wusste, dass ich etwas zu tun brauche, sobald ich im Ruhestand bin.“ Sein Sohn Christoph, ebenfalls als Austräger tätig, brachte ihn auf die Idee, Zusteller zu werden.

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Was ist das Besondere an der Arbeit? „Die Bewegung in der Früh, das taugt mir“, antwortet Westreicher sofort. Diese Aktivität helfe dabei, fit zu bleiben. „Durch die Büroarbeit hatte ich am Ende etwas zugenommen“, erzählt er lachend. „Heute bin ich fast wieder beim Idealgewicht, durch das Austragen habe ich ca. 15 Kilo abgenommen.“

Früh aufstehen sei für ihn, auch aufgrund seiner Berufserfahrung, kein Problem. Um Punkt drei Uhr sei er aus dem Bett, „ohne Wecker und alles, das ist schon so eingespielt“. Die Ruhe in der Früh sei herrlich, „besonders im Winter, wenn die Luft frisch und alles weiß vom Neuschnee ist“, erzählt er, „selbst wenn ich dann hin und wieder die Schneeketten montieren muss“.

Nach einem schnellen Kaffee fährt er zum Ablageplatz in Inzing, wo die Zeitungen hinterlegt sind. „Ich richte sie mir schon so her, dass ich sie beim Austeilen dann nicht mehr zählen muss“, erklärt Westreicher, „das geht ganz automatisiert, ich schaffe das stressfrei.“ Selbst der Umstand, dass in Toblaten Häuser mit unterschiedlichsten Nummern nebeneinander liegen, ist für den „Profi“ kein Problem. Rund eineinhalb bis eindreiviertel Stunden ist er unterwegs, wobei er ca. elf Kilometer mit dem Auto und vier Kilometer zu Fuß zurücklegt. „Danach gehe ich mit dem Hund spazieren und lege mich erst nach dem Mittagessen wieder schlafen.“

Lustige Erlebnisse gebe es immer wieder: „Eine Abonnentin wartet schon um 4.10 Uhr auf die Zeitung und nimmt sie mir gleich aus der Hand“, erzählt er. Und hin und wieder habe er auch schon feierwütige Inzinger, die gerade mit dem Zug vom Ausgehen zurückkamen, mitgenommen und nach Hause gebracht.

Montags bis freitags und fallweise am Wochenende ist Westreicher im Einsatz. Für seine Hobbys – Radfahren, Bogenschießen beim Jagdbogenverein Flaurling oder die Tätigkeit als ausgebildeter Richter für Hundeprüfungen – bleibe genug Zeit. Die Tätigkeit als Zusteller sei das Richtige für Leute, „die verlässlich sind, sich flexibel etwas dazuverdienen wollen und Bewegung brauchen“.

Auch er selbst lese am liebsten die TT, schließt Westreicher – und er sorgt dafür, dass auch viele andere die Lektüre genießen können. (md)


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