Reutte baut fleißig weiter an seinen Wohnblöcken

Die Warteliste der Wohnungssuchenden bei der Marktgemeinde Reutte ist auf 302 Personen angewachsen. 50 Wohnungen sind gerade in Bau.

Die große Baugrube an der Innsbrucker Straße fällt auf. Im Bereich McDonald’s (l.) und Alpentherme Ehrenberg (r.) entstehen vier neue Blöcke mit 46 Wohnungen.
© Mittermayr Helmut

Von Helmut Mittermayr

Reutte – Kräne werden gemeinhin als Zeichen für Wachstum angesehen. Im Außerferner Bezirkshauptort waren in den letzten Jahren viele Kräne zu sehen, ganze Ortsteile wie bei der Alpentherme sind neu entstanden. Dies schlägt sich auch in der Einwohnerzahl mit Hauptwohnsitz nieder. Hatten im Jahr 2010 bei der Amtsübernahme von Bürgermeister Alois Oberer noch 6000 Personen ihren Hauptwohnsitz in Reutte, so kann er in wenigen Tagen die Glocke läuten. Denn mit Stand 2. September 2020 betrug die Zahl 6995. Die 7000er-Marke wird in Kürze überschritten werden.

Dazu beitragen wird auch ein Projekt der Tiroler Wohnbaugesellschaft WE in der Innsbrucker Straße. Dort hat sich in den letzten Tagen wieder ein gelber Stahlriese in die Höhe gearbeitet. Er wird das Baumaterial für 46 weitere Wohnungen durch die Lüfte heben. Hinzu kommen vier neue Wohnungen im Dengelhaus mitten im Ortszentrum. Aktuell sind also 50 neue Wohnungen in Bau.

Alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wird die Anmeldeliste bei der Marktgemeinde Reutte als Indikator für Wohnungsnot und Zuzugwilligkeit hergenommen. Denn gleich 302 Personen hoffen derzeit darauf, von der Gemeinde eine geförderte Miet- oder Mietkaufwohnung vermittelt zu bekommen. Die Marktgemeinde bedingt sich im Zuge der Baubewilligungsverfahren bei Wohnbaugesellschaften das Recht aus, die Plätze zu vergeben. Die Anmeldeliste hat in den vergangenen zwei Jahren trotz reger Wohnraumbeschaffung nicht ab-, sondern sogar noch um 100 Personen zugenommen. Allein am gestrigen Tag der TT-Recherche wurden sieben neue Ansuchen gestellt.

Ein massiver Zuzug von außerhalb des Bezirkes und eine hohe innere Migration sind nicht das Thema. „Vor allem eine Verlagerung im Talkessel und der gesellschaftliche Wandel sind dafür verantwortlich“, erklärt der Marktchef. Man brauche nur an Patchwork-Familien zu denken, die zwei statt einer Wohnung benötigen.

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Mit Haupt- und Nebenwohnsitzen sind 7500 Personen in Reutte gemeldet. In der Ära Oberer von 2010 bis 2020 wurden 660 Wohnungen in der Marktgemeinde errichtet. Dass angesichts des Baubooms die Bevölkerungszahl in diesem Zeitraum zwar stark gewachsen, aber nicht explodiert ist, dürfte an der von Oberer ins Spiel gebrachte sinkenden Zahl der Personen pro Haushalt liegen, die in Reutte aktuell 2,1 beträgt.

Im Bezirkshauptort sind übrigens weitere 117 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern schon genehmigt. Avisierter Baubeginn ist heuer oder spätestens im kommenden Jahr. In der Pipeline sind zudem weitere 90 Wohnungen, für deren Bau die Voraussetzungen gerade geprüft werden. In Summe bis 2021 also 257 Wohnungen, die gerade gebaut werden oder schon in Planung sind.

Reuttener Projekte abseits des reinen Wohnungsbaus: Dengelhaus und Bürgermeister-Siegfried-Singer-Platz stehen vor der Fertigstellung, der Park im Untermarkt wird am 8. September abgenommen werden. Die Strabag hat den Auftrag für beide Bauabschnitte im Untermarkt erhalten und wird in Kürze mit Sektor 1 – zwischen TVB und Untergsteig – beginnen. Zudem wird im Museum Grünes Haus ein Lift eingebaut, was gehbehinderten und betagten Besuchern neue Perspektiven eröffnen wird.


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