Künstler Anton Christian: Dreierpack zum 80. Geburtstag

Mit Ausstellungen in Innsbruck, Schwaz und Telfs wird Künstler Anton Christian (80) gewürdigt. Im Volkskunstmuseum wird eine Symbiose aus Tradition und Moderne versucht.

© Michael Kristen

Von Markus Schramek

Innsbruck – Anton Christian wurde im Februar 80. Eine repräsentative Werkschau des Malers und Bildhauers ist da eigentlich überfällig. Gestern erfolgte in Innsbruck der Auftakt zu einem dreiteiligen Ausstellungsreigen, der einen der renommiertesten Künstler Tirols hochleben lässt.

Das Landesmuseum Ferdinandeum soll unter neuer Führung zu einem Haus der Kunst veredelt werden. Es wäre der logische Ausstellungsort für einen Lokalmatador vom Range Anton Christians.

Doch im Landesmuseum hat sich aktuell der nach Italien reisende Geheimrat Goethe in Form einer ihm gewidmeten Schau breitgemacht. Also wurde ein Querschnitt des 2000 Objekte umfassenden Œuvres Anton Christians ein paar Ecken weiter im Tiroler Volkskunstmuseum untergebracht, auf Wänden und in Zwischenräumen im ohnehin schon reichlich bestückten Schau-Haus in der Universitätsstraße. Dort logiert die von Günther Dankl kuratierte Selektion aus Anton Christians Schaffen nun in enger Nachbarschaft zu Tirolensien wie Krippen, Fasnachtsmasken und ­Heiligenfiguren.

Größeres Umarrangieren war nicht möglich: Die musealen Vitrinen sind unverrückbar. Manche wurden immerhin temporär ausgeräumt, um Platz für einige von Christians Skulpturen zu schaffen.

Der Künstler selbst nahm die räumlichen Verhältnisse beim gestrigen Medientermin mit Humor. „Jetzt ist das Volkskunstmuseum halt ein Anton-Christian-Museum mit viel anderem Zeug darin“, scherzte der Jubilar. Museumsdirektor Peter Assmann zeigte sich hingegen vollends überzeugt vom Standort. Das Werk Anton Christians weise durch dessen „immense Verwurzelung im Humanen“ eine große Nähe zu den Objekten des Volkskunstmuseums auf, befand Assmann.

Beim Rundgang durch die Schau, die Christian-Werke von den 60er-Jahren bis in die Gegenwart umfasst, wird an manchen Stationen tatsächlich eine Symbiose aus moderner Kunst und traditioneller Volkskunst spürbar. So etwa in einer der Bauernstuben. Dort ist Christians Installation „Treibgut-Bett“ von 2010 ausgestellt, eine Schlafstätte mit scharfem Sägeblatt in der Matratze – als Symbol der Ungastlichkeit Flüchtlingen gegenüber. Die heimelige Stubenatmosphäre kontrastiert auf bedrückende Weise mit der hostilen Verunstaltung der Schlafunterlage.

Die düstere, fast bedrohliche Beleuchtung einzelner Stationen bringt Christians Gemälde, die nicht selten Vergänglichkeit, Elend und Schmerz thematisieren, gut zur Geltung. Bei großformatigen Gemälden wie „Schweigen und Vergessen“, das Bezüge zu Kriegsverbrechen im Jahr 1945 herstellt, stoßen die Räumlichkeiten dagegen rasch an (gemauerte) Grenzen. Hier würde man gerne einige Schritte zurückweichen können, um das Werk zur Gänze besser zu erfassen.

Trotzdem: Sehenswert ist Anton Christian im Volkskunstmuseum jedenfalls. Fans des Künstlers werden viele Exponate schon kennen, aber nicht alles. Rund ein Dutzend der gezeigten Objekte ist neueren Datums.

Innsbruck ist freilich nur aus Innsbrucker Sicht der Nabel der Welt. Auch anderswo in Tirol wurden Anton Christian Ausstellungen zum 80er gewidmet. Nächste Woche startet im Rabalderhaus in Schwaz eine Schau, die erstmals das fotografische Werk Christians in den Mittelpunkt rückt. Weiter westwärts in Telfs sind in der Villa Schindler Zeichnungen, Skizzen und Collagen zu sehen, vieles davon aus den 70er-Jahren.

Zur Malerei fand Anton Christian erst später.

Dreimal Anton Christian

Im Volkskunstmuseum Innsbruck sind von heute bis 7.2.2021 Gemälde und Skulpturen des Künstlers zu sehen. Im Rabalderhaus Schwaz werden von 11.9. bis 26.10. Fotografien und Collagen Christians ausgestellt, in der Villa Schindler in Telfs von 12.9. bis 30.10. Zeichnungen und Skizzenbücher.


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