Touristiker wollen Regeln für den Winter und geheizte Gastgärten

Tourismus-Interessengemeinschaft fordert einheitliche Corona-Regeln für den Winter, Kammerchef Mahrer will Gastro unter Heizschwämmen.

Die Abstandsregeln müssen im Corona-Winter auch am Skilift eingehalten werden.
© Getty Images/iStockphoto

Wien, Innsbruck – Die Corona-bedingten Umsatzeinbrüche im Tourismus des Alpenraums – Schätzungen gehen von minus 40 Prozent aus – führen zu „deutlichen Einbußen auch bei Jobs und Wertschöpfung“, betont Hannes Parth von der Touristiker-Interessengemeinschaft Vitalpin. Betroffen sei nicht nur der Tourismus, sondern auch Branchen wie Handel, Verkehr oder Bau, das geht aus einer Studie im Auftrag von Vitalpin hervor. Von der Politik fordern die Touristiker – erneut – rasche und einheitliche Regeln für die Wintersaison.

Laut Studie der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) werden die Beherbergungsumsätze im Alpenraum heuer um fast ein Drittel (32 Prozent) weniger. Dadurch sinkt das Bruttoregionalprodukt um 7,2 Mrd. Euro, die Bruttowertschöpfung um 6,5 Mrd. Euro, erklärt Studienautor Stefan Haigner. Bei dem erwarteten Umsatzrückgang von 32 Prozent würden 62.500 Jobs verloren gehen – der Großteil aber nicht in der Tourismusbranche selbst. Im Handel seien etwa mehr als 10.000 Arbeitsplätze betroffen, 5000 in Verkehr und Logistik sowie mehr als 4000 in der Baubranche. Für Beherbergung und Gastronomie sind es laut Studie 25.500 Jobs weniger. Miteingerechnet in die volkswirtschaftliche Betrachtung sind hier übrigens auch Beschäftigte in Kurzarbeit.

Der Fokus liege nun auf der bevorstehenden Wintersaison, „da steht extrem viel auf dem Spiel“, betonte Vitalpin-Geschäftsführerin Theresa Haid. An die Regierung gehe nun der Appell, untermauert durch die Studienergebnisse, „sofortige Maßnahmen zu setzen, abgestimmte Regelungen vorzugeben“. Haid verwies darauf, dass man einen offenen Brief mit den wichtigsten Forderungen initiiert habe, der in den nächsten Tagen an alle Regierungen der Alpenländer gehen werde und von mehr als 130 Chefs der wichtigsten Tourismusbetriebe im Alpenraum unterzeichnet wurde.

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) will die Städtegastronomie im kommenden Corona-Winter unterstützen. So wäre es heuer „total widersinnig“, die Schanigärten zuzumachen. Mit Heizschwammerl könnte man sie durchgehend offen lassen – „für die, die es wollen“, sagte Mahrer. Wiener Gastronomievertreter haben sich schon im Sommer für eine Ausdehnung der Sperrstunde und eine Verlängerung der Saison ausgesprochen. Auch der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi kann sich in diesem Winter ein Offenhalten der Gastgärten vorstellen. Mahrer will auch Christkindlmärkte öffnen, Kitzbühel hat seinen Markt etwa bereits abgesagt. Mithilfe von Leitsystemen und Masken könnte es funktionieren. Auch ein Alkoholverbot sei möglich, überlegt Mahrer.

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Der Kammer-Präsident wünscht sich ebenfalls bundeseinheitliche Vorgaben der Regierung für den Wintertourismus und „keinen Fleckerlteppich“. Wie sich das mit der Corona-Ampel vereinbaren lässt, die regionale Vorgehensweisen je nach Viruslage vorsieht, ist – ebenso wie für die Betreiber von Skigebieten – nicht klar. Besonders hart trifft das Ausbleiben ausländischer Touristen neben Wien, wie berichtet, auch Salzburg und Innsbruck (Juni, Juli: minus 74 Prozent). Mit 17,6 Millionen Nächtigungen im Jahr 2019 stellt Wien aber den Löwenanteil der österreichischen Nächtigungsbilanz. Verglichen mit anderen europäischen Städten steht Wien im Corona-Sommer noch besser da. Im Juli lag die Auslastung bei 25,8 Prozent. Barcelona kam nur auf 22,5 Prozent, Budapest auf 17,7 Prozent, Rom auf 17,5 Prozent, Lissabon gar nur auf 12,5 Prozent. (ver)


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