„Da müssen wir genauer werden“: Ampel für Tirol nicht das Gelbe vom Ei
LH Günther Platter (VP) fordert für die kommenden Ampelschaltungen mehr regionale Differenzierung. Mit Maßnahmen wartet man auf die Bundes-Verordnung zu.
Von Manfred Mitterwachauer und Michael Mader
Innsbruck, Kufstein – Alle bekannten Fälle seien Clustern zuordenbar, eine „ungeklärte Art der Verbreitung des Virus ist nicht gegeben“. Das bestätigte gestern der Kufsteiner Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer. Und trotzdem leuchtet die Corona-Ampel in seinem Bezirk seit Freitag gelb. Für Kufstein gibt die Kommission an, dass die „7-Tagesinzidenz“ zuletzt von 39 auf 62 pro 100.000 Einwohner gestiegen ist. So ganz kann man im Land die Empfehlung der Kommission und auch die Entscheidung der Bundespolitik trotzdem nicht nachvollziehen.
LH Günther Platter (VP) hielt sich zwar mit Frontal-Kritik gestern zurück, merkte aber in Richtung Gesundheitsministerium doch deutlich an, dass er sich in Hinkunft eine klarere Differenzierung erwarte: „Man kann nicht gleich einen ganzen Bezirk auf Gelb stellen.“ Als Vergleich zog Platter das Alpbachtal heran. Auch das liegt im Bezirk Kufstein. Aktuell ein Corona-Niemandsland. Mitgehangen, mitgefangen – das könne es für Platter nicht sein: „Da gibt es noch Nachholbedarf. Da müssen wir genauer werden.“
Platter wird Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) das auch im für gestern Abend (nach Redaktionsschluss) angesetzten Treffen in Innsbruck ausgerichtet haben. Dort erwartete er sich auch Informationen, wie es mit dem Winter-Tourismus weitergehen soll: „Das Freitesten für Tourismusmitarbeiter muss möglich sein, sonst wird es schwierig mit dem Personal.“ Speziell hier müsse der Bund mit einheitlichen Regelungen in die Vorlage treten, so Platter: „Man darf nicht alles auf die Gesundheitsbehörden abwälzen.“
Apropos Maßnahmen: Trotz Ampelfarbe Gelb wird es vorerst im Unterländer Bezirk zu keiner verschärften Maskenpflicht (siehe Artikel links) kommen. Weil Platter hierfür auf die noch ausstehende Verordnung vom Bund warten will: „Wir brauchen eine eindeutige Rechtslage.“ Dem Land ist selbige nach einer Videokonferenz von Donnerstagabend für kommende Woche (11. September) angekündigt worden. Vorerst bleibt es deshalb – mit Ausnahme der bereits geltenden Pflichtbereiche wie Lebensmittelhandel, Banken, Apotheken – bei einer reinen Maskenempfehlung. Landesamtsdirektor Herbert Forster bestätigt, dass der Bund die Grundmaßnahmen vorgebe, das Land allerdings im Bedarfsfall auch schärfere Regelungen treffen könne. Ungeachtet dessen appelliert Forster aber an die Bevölkerung, wieder „die Eigenverantwortung und den Hausverstand in den Vordergrund zu rücken“.
Als eine grundsätzlich gute Methode bezeichnet Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel die Corona-Ampel: „Man muss aber vorsichtig agieren und es müssen für alle die gleichen Voraussetzungen gelten. Die Vorgangsweise des Ministeriums ist aber unmöglich.“ Der Bezirk Kufstein sei gelb, aber „es stellt sich die Frage: Was ist der Sinn dieses Wissens? Die Bevölkerung und auch wir werden im Ungewissen gelassen.“ Man erhalte keine Antworten, wie man sich jetzt verhalten solle.
Reaktionen auf die Corona-Ampel aus Tirol
Georg Dornauer (SPÖ): Der Landesparteivorsitzende der SPÖ Tirol, Georg Dornauer, bezeichnete die Ampel gestern als „türkis-grünes Entertainmentsystem“. Weder sei eine rechtliche Verbindlichkeit gegeben, noch seien die Maßnahmen klar, und darüber hinaus werde damit auch ein „eigenartiger Wettbewerb zwischen Bezirken und Ländern geschaffen“. Für Dornauer habe „das Corona-Quartett Kurz, Kogler, Anschober und Nehammer in den letzten Monaten eine beeindruckende Fragezeichenproduktionsstätte aufgebaut und nicht nur unsere Verfassungsjuristen verwirrt“.
Hedi Wechner: Die Wörgler Bürgermeisterin sieht keine Notwendigkeit für eine Corona-Ampel. „Wir haben die Sache im Griff. Ein paar Infektionen, nachdem wir alle ins Land gelassen haben, sind kein Grund, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. In Wörgl sollen kleinere Veranstaltungen mit entsprechenden Schutzmaßnahmen abgehalten werden.
Stefan Pühringer: Der Geschäftsführer des TVB Kufsteinerland plädiert auf die Eigenverantwortlichkeit der Reisenden. „In unseren Betrieben werden wöchentlich mehr als 300 Personen getestet. Schaut man sich die Gemeindezahlen an, so sind unsere Tourismus-intensiven Gemeinden, wie Bad Häring und Thiersee minimal bis gar nicht betroffen. Kufstein als Bezirkshauptstadt ist aufgrund seiner Einwohnerzahl in Relation höher. Aber die Ampel ist auch für uns ein Signal für erhöhte Vorsicht.“