Angestellte Bergretter als Rückgrat: Sorge um Boom bei Outdoor-Parks in Tirol

Der Chef der Tiroler Bergrettung beobachtet mit Sorge den Boom bei Outdoor-Parks. Lobend hebt er das Beispiel Sölden hervor.

Zu den Aufgaben der Sölder-Bike-Retter gehören auch die Kontrollfahrten auf den so genannten Lines vor Öffnung der Bike Republic.
© Bike Republic

Von Alexander Paschinger

Sölden – Tirols 4600 Bergretter haben gerade Hochsaison. Allein im Juli gab es 450 Einsätze; dieser Trend riss auch im August nicht ab. Wenn es etwas gibt, das Hermann Spiegl, den Landesleiter der Tiroler Bergretter, in Anbetracht des Outdoor-Booms derzeit zumindest „etwas quält“, dann sind es all die neuen „Funparks und Bikeparks, wo das Rettungskonzept dann die Bergrettung zu bewältigen hat“. Sorgen bereite aber auch der künftige Umgang mit Großveranstaltungen wie Spartan-Race oder Crankworx, wenn diese mit Freiwilligen nicht mehr besetzbar sind. „Die Bergrettung kann und will nicht aus der Freiwilligkeit hinaus – das würde unser Land nicht verkraften“, stellt Spiegl voran. Aber er lugt doch nach Sölden: „Da gibt es vier hauptberufliche Bergretter, die in der Saison fast 100 Einsätze in der Bike Republic absolvieren.“ Das, so Spiegl, „ist ein Best-Practice-Beispiel“. Ob dieses Modell eine Forderung für ganz Tirol sein kann? „Ich versuche nicht, es einzufordern“, so Spiegl, „sondern die Vorteile davon aufzuzeigen.“

2014 wurde in Sölden die Bike Republic gegründet. Der Park umfasst mittlerweile drei Lifte, 50,5 km gebaute Lines und 30 km Naturtrails. Mit 50.000 Fahrten wurde gestartet, inzwischen liegt man bei 200.000 Transporten pro Jahr. Das erhöhte auch das Unfallrisiko. 2017 wurden daher die ersten zwei Bergretter angestellt. „Seit heuer sind wir vier“, sagt Jakob Fiegl, einer der Hauptberuflichen.

„Die Leute sind über die Bergrettung-Landesstelle angestellt“, erklärt Spiegl, „aber die Kosten werden uns vom TVB ersetzt.“ Dominik Linser, der Chef der Bike Republic, bestätigt: „Diese drei bis vier Sommermonate kommen uns auf über 100.000 Euro. Zugegeben, das muss man auch stemmen können.“

Professionalität ist in Sölden ein Schlagwort, das auch für die Rettungskette gilt. Man hatte sich im Vorfeld Bike-Parks in den USA angeschaut. „Dort gibt es keine Bergrettung auf freiwilliger Basis wie bei uns“, erklärt Linser. Man baue auf Rescue-Teams – und diese Rettungseinheiten kosten. „Das ist dort ganz normal.“ Umso klarer ist Linser, dass man sich seitens der Bike Republic Sölden bei den Kosten für die vier Bergretter engagiert. „Man kann die Freiwilligkeit nicht überstrapazieren.“ Mit Stand 1. September verzeichneten die Sölder „Bike-Bergretter“ heuer 90 Einsätze in ihrem Gebiet, davon 80 mit Mountain­bikern. 25-mal musste sogar der Notarzthubschrauber Martin 8 von Heli Tirol angefordert werden.

„Wir starten um 7 Uhr Früh mit den Kontrollfahrten auf allen zehn Lines“, erklärt Bergretter Fiegl. Zu den Aufgaben gehören das Reparieren von Beschilderungen ebenso wie das Bergen von Verletzten, Ausbessern von Schäden nach einem Hochwetter oder auch Büroarbeit. Am kommenden Wochenende gibt es in Sölden sogar Bike-Retter-Kurse. „Wir sind sicher europaweit vorbildlich“, sagt Linser. Und auch viele TVBs haben sich das Rettungssystem schon angeschaut – auch wenn so manche Kollegen den Sölder Vorstoß wegen der befürchteten künftigen Kosten argwöhnisch verfolgen.

„Der Erfolg und die Reaktionen auf Sozialen Medien geben dem Sölder Modell recht“, erklärt Spiegl. „Wo man etwas machen will, da versuchen wir mitzumachen.“ Im Sommertourismus ist Sölden diesbezüglich ein Vorreiter in Tirol. Im Winter ist der Einsatz der Bergrettung schon etabliert. Sölden hat als Pistenretter einen Bergretter angestellt, auch die Pistenrettung in St. Johann in Tirol besteht beispielsweise nur aus Mitgliedern der Bergrettung. „Das hat natürlich Vorteile“, sagt Spiel, „denn sollte jemand krank werden oder sonst irgendwie ausfallen, rückt sofort jemand nach.“


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