Menschenrechtler nach Hungerstreik in Türkei freigelassen

Ein türkisches Gericht hat am Freitag die Freilassung des inhaftierten Menschenrechtsanwalts Aytac Ünsal nach 215 Tagen im Hungerstreik angeordnet. Der wegen Terrorvorwürfen seit 2019 inhaftierte Jurist hatte mit der Aktion gegen seine Verurteilung zu mehr als zehn Jahren Gefängnis protestiert.

Ihm waren - wie vielen anderen Anwälten auch - Verbindungen zur linksextremen Untergrundorganisation DHKP-C zur Last gelegt worden, die in der Türkei als Terrorgruppe gilt. Seine Kanzlei bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag, dass das Gericht wegen der Verschlechterung seines Gesundheitszustands die Freilassung verfügt und Ünsal daraufhin den Hungerstreik beendet habe.

Vor einer Woche war Ünsals ebenfalls wegen Terrorvorwürfen zu mehr als 13 Jahren Haft verurteilte Anwaltskollegin Ebru Timtik nach 238 Tagen im Hungerstreik in Istanbul gestorben. Beide waren zuletzt in einem Krankenhaus in Behandlung, wo die Zustände laut Ünsals Kanzlei „schlimmer als im Gefängnis“ waren. Mehrere Zusammenschlüsse von Juristen hatten die Freilassung der beiden Menschenrechtsanwälte gefordert. Timtik starb in der Klinik, ihre Kanzlei sprach von „Mord“. Sie gehörte nach Angaben von Unterstützern zu insgesamt 18 Anwälten in der Türkei, die wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Alle seien in Vereinigungen engagiert, die häufig Oppositionelle vertreten würden, hieß es.

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