Anschober in Tirol: Zu viele Ankündigungen für Platter

Gespräch zwischen LH Platter (VP) und Gesundheitsminister Anschober (Grüne) war konstruktiv mit kritischen Anmerkungen: Ärzte sollen testen dürfen, lokale Ampeln geplant.

Günther Platter (l.) erwartet sich von Gesundheitsminister Rudi Anschober, dass es weniger Ankündigungen und dafür mehr ausgearbeitet Konzepte gibt
© Land Tirol/berger

Von Peter Nindler

Innsbruck – Obwohl Tirols Landeshauptmann, Günther Platter (ÖVP), ein Befürworter der Corona-Ampel mit den vier Warnstufen ist, gab es zuletzt über die Vorgangsweise des Bundes großen Unmut. Weil es zu viele Ankündigungen gegeben hatte, bevor konkrete Ergebnisse oder Verordnungen auf dem Tisch lagen. Das schaffte nicht gerade Vertrauen, am Ende müssen es nämlich die Bezirkshauptmannschaften und die Gesundheitsbehörden ausbaden. Diese Kritik dürfte wohl auch Teil des Gesprächs zwischen Platter und Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) Freitagabend in Innsbruck gewesen sein. Gegenüber der TT streicht der Landeshauptmann jedoch demonstrativ hervor, dass es ein „sehr konstruktives Treffen “ war. Das bestätigte am Samstag auch Anschober bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Vier wesentliche Punkte sollen jedenfalls weiterentwickelt werden:

Auch lokale Differenzierung bei der Ampel: In den Bezirken soll nicht, wie jetzt in Kufstein, nur eine Farbe, nämlich Gelb, blinken, sondern je nach Einschätzung der Experten könnte es durchaus lokale Abgrenzungen geben. „Die ersten Erfahrungen haben gezeigt, dass einzelne Talschaften oder Regionen bei der Bewertung der epidemiologischen Situation nicht treffsicher genug abgebildet sind“, sagt Platter. Für Anschober kann es deshalb so sein, dass lediglich ein halber Bezirk oder letztlich nur drei Gemeinden mit einer Warnstufe belegt werden, in den restlichen Kommunen die Ampel aber auf Grün steht.

Was der Gesundheitsminister gar nicht will, ist ein Fleckerlteppich, „denn dann macht die Ampel keinen Sinn mehr. Alles muss nachvollziehbar sein.“ Bei Gemeinden mit etwas unterschiedlicher Infektionslage, die „eng beisammen“ liegen, sei eine Unterscheidung „nicht machbar“. So differenziert wie möglich, aber auch bundesweit einheitliche Regelungen bei den Corona-Maßnahmen wünscht sich auch Platter. Wie beim Après-Ski.

Klarheit beim Après-Ski: Anschober kündigt an, dass bis Mitte September ein österreichweites Konzept präsentiert wird. „Ich bin außerdem in Gesprächen mit meinen Kollegen aus den Nachbarländern, damit wir uns gemeinsam abstimmen.“ Für Platter wird es heuer kein Après-Ski wie in den vergangenen Jahren geben. „Zeitliche Beschränkungen halte ich deshalb nicht für sinnvoll.“ Im Prinzip gehe es darum, dass in den Skigebieten ein Besuchermanagement mit allen Hygienemaßnahmen möglich sei. „Die Touristiker benötigen für die Wintersaison Klarheit und Planungssicherheit.“ Die soll es zudem bei der Ausweitung der notwendigen Testkapazitäten geben.

Niedergelassene Ärzte sollen testen dürfen: „Nur indem wir die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit ins Boot holen und diese PCR-Tests durchführen können, kann eine Steigerung der Testkapazitäten erreicht werden“, fordert Platter. Hier signalisierte Anschober ebenfalls Zustimmung. Die Gesellschaft für Allgemeinmedizin in Tirol fordert schon seit Monaten, dass die Allgemeinmediziner dafür beigezogen werden. Erleichterungen verspricht Anschober darüber hinaus bei den engen Kontaktpersonen (K1) von Infizierten.

Quarantäneerleichterung für enge Kontaktpersonen: Vor allem die Tourismusbetriebe und die Wirtschaft im Allgemeinen pochen hier auf Erleichterungen. Für Platter wäre das verpflichtende Tragen eines Mund- und Nasenschutzes von K1-Personen eine Alternative. „Das wird in der Schweiz so praktiziert“, fügt Anschober hinzu. Seine Experten würden das prüfen. Eine generelle Reduzierung der Quarantäne etwa auf fünf Tage wäre für den Minister eine weitere Möglichkeit. „Eine europaweit einheitliche Regelung wäre allerdings wünschenswert.“


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