Tsitsipas bei US Open nach sechs Matchbällen gegen Coric out

Für Stefanos Tsitsipas ist am Freitag schon vor dem Achtelfinale der Tennis-US-Open Endstation gewesen. Der Grieche unterlag dem Kroaten Borna Coric in einem echten Drittrunden-Krimi auf der Anlage in Flushing Meadows nach sechs vergebenen Matchbällen und einer Spielzeit von viereinhalb Stunden mit 7:6(2),4:6,6:4,5:7,6:7(4). Souverän weiter kam hingegen der topgesetzte Serbe Novak Djokovic.

Coric lag im vierten Satz mit 1:5 scheinbar aussichtslos zurück, schaffte aber nach zwei Rebreaks noch die Wende. Auch im fünften Satz machte er ein Break wett und verwertete am Ende seinen zweiten Matchball. „Ich muss ehrlich sein und sagen, dass ich richtig viel Glück hatte“, so der als Nummer 27 gesetzte Coric.

Tsitsipas war bis zur klaren Führung im vierten Satz der tonangebende Spieler, hatte danach allerdings einen Einbruch. „Das ist möglicherweise das traurigste und komischste was in meiner Karriere je passiert ist“, verlautete der 22-jährige ATP-Finals-Sieger von 2019 via Twitter. Anstatt der Nummer sechs der Welt tritt nun Coric gegen den Australier Jordan Thompson an. Dabei kämpft der Kroate um die erstmalige Teilnahme an einem Grand-Slam-Viertelfinale.

Stammgast dort ist Djokovic, der dem Deutschen Jan-Lennard Struff beim 6:3,6:3,6:1-Erfolg keine Chance ließ und 2020 weiter unbesiegt ist. „Es war eine sehr, sehr gute Leistung von meiner Seite“, war der Weltranglistenführende nach seinem 600. Karriere-Matchsieg auf Hartplatz zufrieden. Es war der nächste Schritt auf dem Weg zu seinem vierten US-Open-Titel sowie 18. Triumph auf Grand-Slam-Ebene. Die Vorzeichen stehen gut, neben ihm ist mit dem Kroaten Marin Cilic (US-Open-Gewinner von 2014) nur noch ein Grand-Slam-Turnier-Sieger im Bewerb vertreten. Zu einem der größten Djokovic-Rivalen zählt ÖTV-Star Dominic Thiem, der in der Nacht auf Sonntag (01.00 Uhr MESZ/live Servus TV) auf Cilic trifft.

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Im Achtelfinale bekommt es Djokovic mit dem auf Position 20 eingestuften Spanier Pablo Carreno Busta zu tun. Gefordert war der Serbe am Freitag allerdings nicht nur auf dem Platz. An einem Tag, an dem vor dem Duell des Deutschen Alexander Zverev mit dem Franzosen Adrian Mannarino die erste coronabedingte Spielabsage drohte, rief Djokovic den Gouverneur von New York an. „Ich habe versucht, die Leute in den höchsten Positionen zu erreichen“, erzählte Djokovic.

Weil Mannarino Kontakt mit dem schon vor Tagen positiv auf das Coronavirus getesteten Benoit Paire hatte, untersagten die Behörden zunächst den Auftritt Mannarinos. „Wir wurden informiert, dass es nur eine sehr geringe Chance gibt, dass wir spielen“, sagte Zverev. „Die Situation war nicht einfach für uns, aber wir sind Profis und müssen damit zurechtkommen.“

Was genau passiert war und warum Zverev und Mannarino nicht zur vereinbarten Zeit das Louis Armstrong Stadium betraten, blieb lange unklar und Gegenstand zahlreicher wilder Spekulationen. Der amerikanische Tennisverband (USTA) reagierte erst spät - und dann mit einer dürren Mitteilung. Fest steht, dass Mannarino ebenso wie andere französische und belgische Profis engeren Kontakt hatte zu Paire. Der 31-jährige Franzose war positiv auf Covid-19 getestet und noch vor Turnierbeginn ausgeschlossen worden.

Für die Kontaktpersonen hatte das Testergebnis weitreichende Folgen. Eine Gruppe von bis zu elf Spielern musste sich innerhalb der sogenannten Blase in eine Extra-Quarantäne begeben und strengere Protokolle unterzeichnen und sich diesen unterziehen. Dazu gehörten tägliche Tests und eine Isolation im eigenen Hotelzimmer. Auch wenn Spielerinnen wie die Französin Kristina Mladenovic über einen „Alptraum“ und „abscheuliche Dinge“ schimpften, wurden die Profis - anders noch als vor einer Woche beim von Cincinnati nach New York verlegten Masters-Turnier - nicht sofort ausgeschlossen.

Die Regeln seien modifiziert worden, hatte Turnierdirektorin Stacey Allaster erklärt und darauf verwiesen, dass alles mit den Gesundheitsbehörden des Bundesstaates New York abgesprochen sei. Am Freitag aber hieß es plötzlich von politischer Stelle, dass Mannarino als einer von Paires Kontakten ausgeschlossen werden müsse - nachdem er bereits die ersten beiden Runden gespielt hatte. Zweimal wurde die Anfangszeit der Partie neu angesetzt, zweimal wieder verworfen - jedes Mal mit Zverevs Einverständnis.

Nach intensiven Debatten und offenbar einem Machtwort von New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo durfte Mannarino mit mehrstündiger Verspätung dann doch noch zu der Partie antreten. Zverev ließ sich von der Ungewissheit nicht beeinflussen und gewann nach Startproblemen mit 6:7(4),6:4,6:2,6:2. Nun wartet mit Alejandro Davidovich Fokina, der Erstrunden-Bezwinger von Dennis Novak.


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