Keine Hoffnung mehr auf Überlebende nach Explosion in Beirut

Nach drei Tagen Hoffen und Bangen haben die Rettungskräfte keine Hoffnung mehr, einen weiteren Überlebenden der Explosionskatastrophe in Beirut zu finden. Unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses gebe es „aus technischer Sicht“ keine Anzeichen für Leben mehr, sagte der Leiter des chilenischen Rettungsteams „Topos“ („Maulwürfe“), Francisco Lermanda, am Samstagabend vor Journalisten.

Die fieberhafte Suche nach einem Verschütteten hatte am Donnerstag begonnen, nachdem die chilenischen Rettungshelfer mit Ortungsgeräten und ihrem Suchhund „Flash“ Hinweise auf einen Überlebenden entdeckt hatten. Sie konnten unter anderem mehrfach schwache Atemsignale ausmachen. Beirut hielt in der Hoffnung auf ein Wunder den Atem an. Stück für Stück räumten die Einsatzkräfte die Trümmer weg. Weil das Gebäude weiter einzustürzen drohte, kamen sie nur langsam voran.

Die Hoffnung auf Überlebende unter den Trümmern hatte die Einwohner von Beirut elektrisiert. Neben dem Pulsschlag durch einen Spezialsensor hatten Experten auch ein langsames Atmen unter den Schuttmassen ausgemacht. Die Helfer trieben von drei Seiten Tunnel voran, um zu der Stelle zu gelangen. „Mir war nicht klar, dass ich ein Wunder so sehr brauche. Bitte Gott, gib Beirut dieses Wunder, das es verdient hat“, sagte der 32-jährige Filmemacher Selim Mourad zu den Sucharbeiten.

Bei der verheerenden Doppelexplosion im Hafen von Beirut Anfang August waren 191 Menschen getötet und mehr als 6.500 weitere verletzt worden. Sieben Menschen werden nach Angaben der libanesischen Armee noch vermisst. Die Explosion von rund 2.750 Tonnen ungesichertem Ammoniumnitrat richtete massive Zerstörungen in der libanesischen Hauptstadt an, rund 300.000 Menschen wurden obdachlos. Der Libanon war schon zuvor durch Corona und eine Wirtschaftskrise schwer getroffen.

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