Zehntausende Menschen bei Protesten gegen Lukaschenko

Trotz Warnungen vor neuen Protesten gegen Weißrusslands Staatschef Alexander Lukaschenko haben am Sonntag zehntausende Menschen in der Hauptstadt Minsk demonstriert. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen. Auf Videos und Fotos war zu sehen, wie Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten vorgingen und sie in Polizeibusse zerrten. Das Menschenrechtszentrum Wesna sprach von über 70 Festnahmen.

Das weißrussische Innenministerium hatte am frühen Nachmittag zunächst von zehn Festnahmen gesprochen. Das Ministerium hatte zuvor gewarnt, mehr Einsatzkräfte zur Massendemonstrationen der Opposition zu schicken.

In Minsk nahmen Beobachtern zufolge zehntausende Menschen an den Protesten teil. In anderen Berichten war von mehr als 100.000 Teilnehmern die Rede. Uniformierte hinderten Menschen mit Geländewagen, die an der vorderen Stoßstange hohe Metallgitter hatten, ins Zentrum vorzudringen. Auch Wasserwerfer wurden in Stellung gebracht. Demonstranten berichteten in einem Nachrichtenkanal im Messenger-Dienst Telegram von Internetstörungen.

Auch in anderen Städten des zwischen Russland und EU-Mitglied Polen gelegenen Landes gab es Proteste gegen den autoritären Präsidenten. Aus den Städten Brest und Grodno gab es Berichte, dass schwarz gekleidete Uniformierte Demonstrationen auflösten und viele Menschen festnahmen. Es solle auch Tränengas eingesetzt worden sein, berichteten oppositionsnahe Kanäle auf Telegram.

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Die Proteste dauern bereits seit genau vier Wochen an - seit der umstrittenen Präsidentenwahl vom 9. August. Die Demokratiebewegung fordert den Rücktritt Lukaschenkos, Neuwahlen und die Freilassung politischer Gefangener. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen.


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