EcoAustria sieht Effizienzpotenzial bei Pflichtschulen

Bei den Pflichtschulen wird das Geld laut einer am Montag veröffentlichten Policy Note des industrienahen Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria in Oberösterreich am effizientesten eingesetzt, bei den Kindergärten in Tirol und Kärnten. Bei gleichem Verhältnis von Ausgaben und Leistung ergäbe das bei Pflichtschulen bundesweit 320 Mio. Euro und bei Kindergärten 350 Mio. Euro Effizienzpotenzial.

Bei den Pflichtschulen sind die Bundesländer die Dienstgeber der Lehrer, allerdings ersetzt der Bund die Gehaltskosten. Lehrer, die die Bundesländer über den mit dem Bildungsministerium vereinbarten Stellenplan hinaus beschäftigen, müssen sie zum Großteil selbst bezahlen. Die Gemeinden sind für die Schulerhaltung (Gebäude, nicht-pädagogisches Personal) zuständig. Die Kindergärten werden wiederum zum Großteil von den Gemeinden, zum Teil auch von den Bundesländern getragen. Doch selbst zwischen Bundesländern mit vergleichbaren Ausgangsbedingungen gibt es laut EcoAustria Kostenunterschiede.

Um das Verhältnis von Mitteleinsatz und Wirkung bei den Pflichtschulen (Volks-, Sonder- und Neue Mittelschule, Polys) zu erheben, wurden in jedem Bundesland die Ausgaben der Bundesländern und Gemeinden pro Schüler mit den Ergebnissen der Bildungsstandards der vierten Klasse Neue Mittelschule in Deutsch, Englisch und Mathematik verglichen. Für einen fairen Vergleich wurden bestimmte Faktoren (etwa schlechtere Ergebnisse wegen eines hohen Anteils an Schülern mit nicht-deutscher Muttersprache, höhere Kosten durch Kleinstschulen und Kleinstklassen) herausgerechnet.

Oberösterreich schneidet bei diesem Vergleich am besten ab. Salzburg hätte demnach mit zwei Prozent das geringste Effizienzpotenzial, gefolgt von Wien (3 Prozent), Niederösterreich (5), Tirol und dem Burgenland (jeweils 7 Prozent), Steiermark (9), Kärnten (11) und Vorarlberg (12). Über alle Bundesländer hinweg könnten laut den Berechnungen von EcoAustria fünf Prozent der Ausgaben für Pflichtschulen freigespielt werden.

Bei den Kindergärten wurden die Ausgaben der Zahl betreuter Kinder gegenübergestellt, wobei die großen Unterschiede bei Öffnungszeiten und Schließtagen (von sieben in Wien bis zu 34 in Tirol) berücksichtigt wurden. Am kostengünstigsten fällt das Kindergartenangebot demnach in Tirol und Kärnten aus, über alle Bundesländer hinweg sieht EcoAustria ein Effizienzpotenzial von 13 Prozent. Nach Bundesländern betrachtet fällt dieses in Oberösterreich (10 Prozent) bzw. Wien (11) am geringsten aus, höher ist es laut der Studie in Salzburg (15), Niederösterreich (16), Vorarlberg und dem Burgenland (je 21) sowie der Steiermark (24 Prozent).

Über die institutionellen Hintergründe und Ursachen könne die Studie freilich nichts sagen, so die Studienautoren. Sie würden aber darauf hindeuten, dass Effizienzpotenziale bestehen. Deren Identifikation sei auch nicht als „Aufruf zum ‚Einsparen‘ zu verstehen“. Gleichzeitig betont EcoAustria-Forschungsvorstand Wolfgang Schwarzbauer allerdings: „Die Effizienzpotenziale zeigen auf, wo die Qualität mit gleichbleibenden Mitteln gesteigert werden kann. Das ist gerade im Anschluss an die Corona-Krise angesichts begrenzter budgetärer Spielräume wichtig.“


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