„Madama Butterfly“: Die wunderbare Mrs. Cio-Cio-San

Die neue Direktion der Wiener Staatsoper startete brav mit einer farbenfroh-soliden „Madama Butterfly“.

Madama Butterfly im Pocahontas-Look: Asmik Grigorian debütierte an der Staatsoper.
© Michael Pöhn

Von Stefan Musil

Wien – Sogar die Applausordnung schien choreographiert. Rot strahlte der Hintergrund, mit ein wenig Gelb am Horizont. Die aufgehende Sonne für den neuen Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić Oder nur die Applaus-Kulisse für Puccinis „Madama Butterfly“ in Gestalt von Asmik Grigorian, die zum Bejubeln-Lassen an die Rampe rauschen durfte? Die Sopranistin, 2018 Wunder-Salome der Salzburger Festspiele, gab mit dem Eröffnungsabend am Montag, als großes Atout, ihr Debüt an der Staatsoper.

Die Inszenierung dazu war keine Novität. Dass sie trotz Covid-Zeiten so stattfinden konnte, war wohl die tatsächliche stille Sensation, die freudig beklatscht wurde.

Die „Butterfly“-Produktion des britischen Filmregisseurs Anthony Minghella („Der englische Patient“, „Der talentierte Mr. Ripley“) kam bereits 2005 an der English National Opera in London heraus, ging später nach New York, weiter nach Vilnius und wurde weltweit in Kinos übertragen. Es ist eine brave, sehr bunte Arbeit, die mit ihren verschiebbaren Paravents und Spiegelungen (Bühne: Michael Levine), mit raffiniertem Lichtdesign und ein wenig Puppenspiel viel zum Schauen hergibt. Dazu kommen aufwändige Kostüme (Han Feng), manchmal an der Grenze zum Kitsch.

Carolyn Choa, Witwe des 2008 verstorbenen Minghella, hat das sauber für Wien einstudiert: ein solides, Musical-artiges, szenisches Arrangement. Viel an psychologischer Personenführung erlebt man nicht. Der Zuschauer darf sich dafür an hübschen Effekten erfreuen, etwa wenn an Stäben die Origami-Reiher durchs bunte Licht flattern oder Lampions das Duett von Cio-Cio-San und Pinkerton wie adipöse Glühwürmchen umtanzen.

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Vielleicht hat hier der großartigen Singschaupielerin Asmik Grigorian, bereits im Vorfeld als Sensation auf- und abgefeiert, einiges an Durchdringung gefehlt, um Cio-Cio-San die nötige Plastizität und Glaubwürdigkeit zu geben. Artig, doch etwas unbeteiligt spielt sie ihre Butterfly, klingt zunächst auch stimmlich eher unterkühlt, lässt Schärfen und Irritationen in den Höhen hören. Im zweiten Akt steigert sie sich deutlich, bemüht sich um Intensität, doch scheint sie von der anspruchsvollen Rolle zu stark gefordert, um sich ganz freispielen zu können.

Solches ficht ihren Pinkerton nicht an. Der junge Tenor Freddie De Tommaso stemmt ihn mit vielversprechendem Stimmmaterial als amerikanischer Haudrauf mit links. Als Scharpless steht ihm kernig baritonal Boris Pinkhasovich zur Seite, während Virginie Verrez kraftvoll herb Butterflys Vertraute Suzuki gibt.

Dirigiert wurde der Auftakt vom neuen Musikdirektor Philippe Jordan, war gut einstudiert, klang immer wieder prachtvoll und laut vom Orchester gespielt, lief aber emotional ebenfalls etwas auf Sparflamme.

Alles in allem ein solider Start, der noch einiges an Luft nach oben lässt.


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