In Trumps Fangemeinde: Regisseurin Brandstätter über „This Land Is My Land“

Doku-Regisseurin Susanne Brandstätter porträtiert in „This Land Is My Land“ Wähler des US-Präsidenten.

© Filmdelights

Frau Brandstätter, als gebürtige US-Amerikanerin waren Sie 2016 schockiert über die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten.

Susanne Brandstätter: Genau. Und da beschloss ich, die Doku „This Land Is My Land“ zu drehen, ein Porträt von Menschen, die Donald Trump gewählt hatten. Ich ging dazu nach Ohio, einen so genannten Swing State, in dem die Mehrheit zwischen Demokraten und Republikanern immer wieder wechselt. 2016 siegte der Republikaner Trump auch in Ohio.

Susanne Brandstätter. Geboren und aufgewachsen in Los Angeles, seit 1975 in Österreich. Sie arbeitete für den ORF (Buch/Regie) und ist seit 2002 freischaffende Doku-Regisseurin (u. a. „Rule of Law“ über die Justiz im Kosovo und „The Future’s Past“ über Kambodscha).
© Schramek

War es einfach, Trump-Fans vor die Kamera zu bekommen?

Brandstätter: Nein, es gab etliche Absagen. Die Angst ist groß, die US-Gesellschaft gespalten. Die Gräben zwischen Trumps Gegnern und Befürwortern sind tief. So schlimm und gewalttätig war dieser Konflikt noch nie. Das dürfte sich nach der Wahl im November so schnell nicht ändern, egal ob Trump gewinnt oder Demokrat Joe Biden.

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Sie haben Trump-Befürworter in Ohio über mehrere Jahre immer wieder besucht: Unternehmer, kleine Angestellte, Vertreter. Welches Resümee ziehen Sie?

Brandstätter: Die größte Erkenntnis ist, dass man Trumps Wähler nicht einfach in dieselbe Schublade stecken darf. Viele davon sind ganz normale, höfliche Menschen, also keine Extremisten, wie manche meinen. Ihre Motive, Trump zu wählen, sind unterschiedlich. Sie halten ihn für mutig und authentisch, für jemanden, der aufräumt.

Können Sie sich auch persönlich die Faszination erklären, die Trump trotz all seiner Eskapaden und Entgleisungen auf seine Anhänger ausübt?

Brandstätter: Ich habe mich sehr mit dem Thema Vorurteile beschäftigt und damit, wie man Menschen beeinflussen kann. Trump trifft mit seinen Themen den emotionalen Nerv vieler Menschen. Sie entwickeln eine selektive Wahrnehmung und hören nur noch das, was zur eigenen Meinung passt. Widerspruch wird ausgeblendet. Viele im Lager Trumps beziehen ihre Nachrichten über den TV-Sender Fox News, der dem Präsidenten freundlich gesinnt ist. Andere, kritische Medien verbreiten nach Meinung der Trump-Befürworter dagegen Fake News.

📽️ Video | Trailer zu „This Land Is My Land“

Kritische Töne zu Trump kommen in Ihrer Doku von Austin, einem jungen Mann, der studieren will.

Brandstätter: In Österreich ist es unvorstellbar, dass man nicht einfach auf die Uni gehen kann. Doch in den USA kostet ein Studium viel Geld. Da braucht es Kredite, die man über Jahre abstottern muss. Austin ist jetzt 23, er hatte zwei Jobs, um Geld für die Uni zu verdienen. Doch er musste das Studium abhaken. Es ist sehr traurig, wenn Ausbildung am Geld scheitert.

Konnten Ihre Interviewpartner den Film vor der Fertigstellung sehen?

Brandstätter: Erst nachher, aber vor dem Kinostart. Sie haben mir vertraut und waren über das Ergebnis glücklich.

Ihre Prognose für die US-Wahl im November?

Brandstätter: Das Match ist völlig offen. Trump holt auf. Im Swing State Ohio lag er zuletzt gleichauf mit Joe Biden. Trump macht die Demokraten für die vielen brennenden Autos und Häuser verantwortlich, die fast täglich im Fernsehen zu sehen sind. Es ist möglich, dass Trump ein zweites Mal gewinnt. Die Corona-Krise mit bisher 190.000 Toten in den USA und die Rassismusdebatte haben ihm bei vielen seiner Anhänger nicht geschadet. Sie glauben weiter an ihn.

Das Gespräch führte Markus Schramek


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