Psychiatrisches Gutachten im Mittelpunkt bei Dreifachmord

Der Geschworenenprozess rund um eine Bluttat mit drei Toten in Kottingbrunn (Bezirk Baden) ist am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt fortgesetzt worden. Ein mittlerweile 32-Jähriger soll am 27. Oktober 2019 seine Ehefrau und die beiden Kinder getötet haben. Im Mittelpunkt stand am zweiten Verhandlungstag zunächst das psychiatrische Gutachten des Sachverständigen Manfred Walzl.

Nach Aussage des Beschuldigten war ein Streit, bei dem die Frau mit Scheidung gedroht hatte, Auslöser für die Tat. Dem 32-Jährigen wird dreifacher Mord angelastet, die Staatsanwaltschaft beantragte außerdem eine Einweisung. Der Mann bekannte sich am ersten Prozesstag in der Vorwoche schuldig.

Der österreichische Staatsbürger mit türkischen Wurzeln soll seine 29-jährige Partnerin im gemeinsamen Wohnhaus mit vier Messerstichen in den Oberkörper umgebracht haben. Die zweijährige Tochter erlitt nach Angaben des gerichtsmedizinischen Sachverständigen Wolfgang Denk zwei wuchtige Stiche mit demselben Küchenmesser mit einer 20,5 Zentimeter langen Klinge, der elf Monate alte Sohn starb an den Folgen eines mehrere Minuten andauernden Erstickungsversuchs.

„Er wusste immer was er tut, er wusste was Recht ist und Unrecht“, sagte Walzl. Der Sachverständige untersuchte den Beschuldigten eigenen Angaben zufolge sehr umfassend bei sechs Gelegenheiten und ortete „eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägten narzisstischen und dissozialen Anteilen“. Hinzu sei im Laufe der Zeit ein „ausgeprägtes Simulationsverhalten“ gekommen, u.a. deshalb, weil der 32-Jährige während der Tat Stimmen gehört haben will. Dies habe der Angeklagte erst „bei der dritten Exploration“ offenbart. „Da glaubt man als Gutachter, man bekommt einen Elektroschock“, blickte Walzl zurück. Bis zum Schluss habe der Beschuldigte diese Angaben ausgeweitet und schlussendlich übertrieben. „Das ist der Fehler, den alle Simulanten machen“, betonte der Sachverständige.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaper

Der Experte ortete beim Angeklagten ein Verlangen nach Bewunderung, eine Neigung zur Großartigkeit sowie eine sehr starke Veranlagung zur Kränkung. Beim ersten gemeinsamen Gespräch habe der österreichische Staatsbürger „nichts von Betroffenheit“ gezeigt, sondern vielmehr um adrette Kleidung gebeten und sich über Medienberichte zur Bluttat erkundigt.

Aufgrund des hohen Gefährdungspotenzials des 32-Jährigen empfahl Walzl die von der Staatsanwaltschaft beantragte Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher gemäß Paragraf 21 Absatz 2 Strafgesetzbuch. Es sei davon auszugehen, dass der Mann „zu Tathandlungen der gleichen Art bis hin zum Mord innerhalb der Familie“ neigen werde.

Keine Erklärung für das Geschehene fand die Mutter des Angeklagten im Zeugenstand. „Mein Sohn ist so ein guter Mensch gewesen“, hob sie hervor. Die 67-Jährige war noch am 26. Oktober beim Beschuldigten zu Besuch. Einen schwelenden Konflikt in der Familie des 32-Jährigen will sie jedoch nicht mitbekommen haben. „Es ging ihnen so gut zusammen“, betonte die Frau. Ihre Schwiegertochter hätte sie „sehr, sehr geliebt“, die 29-Jährige sei „fast wertvoller gewesen als meine eigenen Töchter“.


Kommentieren


Schlagworte