Wenige Fluchtwege aus der überfüllten Ursuppe

Bunte „Wimmelbilder“ von Max Brand sind derzeit in der Galerie der Stadt Schwaz zu sehen.

„Die Abenteuer des Hündchens Bleibsoklein“ von Max Brand.
© Galerie der stadt Schwaz

Von Edith Schlocker

Schwaz – Der Titel „Die Abenteuer des Hündchens Bleibsoklein“, den der in Berlin lebende Maler Max Brand seiner Ausstellung in der Galerie der Stadt Schwaz gegeben hat, macht neugierig auf Geschichten, die allerdings nicht erzählt werden. Findet sich das kleine Tierchen zwar in einer der oberen Ecken der großformatigen, mit Kreiden, Acryl und Öl in einem veritablen Horror Vacui bemalten Leinwände, ohne aber explizit von seinen Abenteuern zu erzählen. Oder jedenfalls nicht so, dass sie der Betrachter der Arbeiten des 38-Jährigen nachvollziehen könnte.

Denn es sind so etwas wie Wimmelbilder für Erwachsene, die Max Brand in wesentlich bauchgesteuerten prozessualen Malräuschen produziert. Die vier, die der inzwischen mehr und mehr international beachtete Künstler nach Schwaz mitgebracht hat, hat er speziell für hier konzipiert. Bilder, die nur auf einen ersten Blick in ihrer Buntheit erfrischend leicht daherkommen, bevor man eintaucht in Max Brands in vielen Schichten zelebrierte Bilderflut.

Sozusagen in eine dicke „Ursuppe“, in der sich neben- und übereinander die unterschiedlichsten Dinge ereignen, die offensichtlich nichts miteinander zu tun haben, aber gespickt sind mit metaphorischen Verweisen. Da gibt es Gesichter, die den Betrachter frontal fixieren. Was der plakativ gemalte Stiefel daneben uns sagen soll, bleibt ein Geheimnis, genauso wie der Grund, warum sich manche der Figuren aneinander leibhaftig abarbeiten. Es gibt aber auch kalligrafisch Zeichenhaftes, dessen Entschlüsselung unmöglich ist, oder Hände, die sich aus dem Off ins bildhafte Geschehen einmischen, bzw. ungewisse Formen im Zustand poetischer Transformation. Wobei immer offenbleibt, ob sie sich gerade bilden oder sich im Zustand der Auflösung befinden.

Max Brand mag ganz offensichtlich das Spiel mit dem Rätselhaften. Da kann ein Hut durchaus auch ein Ufo sein, das den Kopf einer silhouettenhaft sich aus dem bunten Gewusel herausschälenden Figur umschwirrt. Lichtungen gibt es erfreulicherweise in diesen gemalten, gesprayten und gezeichneten Tableaus immer wieder, bisweilen sogar so etwas wie Fluchtwege aus dem Gedränge.

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