Schwere Zeiten für die Alpenschule in Westendorf

Aus dem erwarteten Rekordjahr wurde das Gegenteil. Die kleine Schule in Westendorf auf 1100 Metern kämpft nach einem Totalausfall im Frühjahr auch im Herbst. Die wirtschaftliche Situation ist schwierig.

Die Alpenschule hoch über Westendorf ist durch die Corona-Krise öfter leer, als den Verantwortlichen lieb ist.
© Angerer Harald

Von Harald Angerer

Westendorf – Eine Schule, die eigentlich keine Schule ist – die Alpenschule in Wes­tendorf ist keine typische Bildungseinrichtung. Vor 24 Jahren wurde sie gegründet, um Kindern die Natur näherzubringen. Das Schulgebäude steht auf 1100 Metern Seehöhe hoch über Westendorf und Schulen aus ganz Österreich und auch aus dem benachbarten Ausland kommen immer wieder gerne in die Alpenschule, damit einzelne Klassen eine Woche auf Streifzug in die Natur gehen können.

Doch auch die Alpenschule wurde von der Corona-Krise schwer getroffen. „Der Frühling war ein Totalausfall und das, obwohl wir für das heurige Jahr nahezu ausgebucht gewesen wären“, erklärt der Obmann der Alpenschule, Franz Berger. Einziges Glück: Man hatte außer der Geschäftsführerin für die heurige Saison noch niemanden angestellt. „Die Geschäftsführerin mussten wir in der Zeit in Kurzarbeit schicken, so konnten wir wenigstens die laufenden Kosten niedrig halten“, schildert der Obmann weiter.

Auch wenn nun am kommenden Montag in Westösterreich die Schulen wieder starten, bleibt die Situation für die „Hochschule“ der anderen Art, wie sie gerne genannt wird, weiterhin angespannt. „Diese Woche haben wir eine Schulklasse bei uns. Die Kinder kommen aus Wien“, erzählt Berger. Es sind die Gewinner aus einer Kooperation mit dem Lebensmittel-Diskonter Hofer und der Alpenschule. „Aber danach sind wir wieder drei Wochen leer“, erklärt der Obmann gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Auch der Herbst wäre eigentlich ausgebucht gewesen, aber die Unsicherheit bei den Schulen, und vor allem bei den Eltern, sei sehr groß. „Wir kämpfen deshalb mit Stornierungen. Somit ist die Buchungslage zwar gut, aber wir wissen am Ende nicht, wie viele wirklich kommen“, schildert Berger. Dabei sei man hier wohl so sicher wie kaum woanders. Auf dem Berg seien nur die Schüler und die Bauern.

Sie sind ein wichtiger Teil der Alpenschule, denn auf den vier Höfen rund um die Schule sind die Kinder in der Schulwoche untergebracht. Das war auch eine Grundidee von Gründer Josef Ziepl. Zum einen sollte den Kindern wieder verstärkt die Natur nähergebracht werden und auch das bäuerliche Leben. Dementsprechend ist auch die Unterrichtswoche aufgebaut, mit verschiedesten Exkursionen auf dem Salvenberg und viel Wissensvermittlung zum Thema Natur. Dazu sollte es als zusätzliche Einnahmequelle für die benachbarten Bauern dienen. Der Erfolg sollte dem Visionär Ziepl bis heute Recht geben. Die Kinder kommen aber nicht mehr nur aus den Städten, um die Natur wieder kennen zu lernen.

Ob die Schule auch einen 30. Geburtstag erleben wird, steht allerdings in den Sternen, denn die Ausfälle bringen den Trägerverein in wirtschaftliche Turbulenzen. „Wir blicken in eine schwierige Zukunft“, schildert Berger. Zum einen würde man vom Land Tirol nicht mehr über eine Agrarbeihilfe gefördert, hier hat die EU einen Riegel vorgeschoben, dann kommt die Corona-Krise mit den fehlenden Einnahmen dazu und auch der größte private Gönner der Alpenschule, „die Familie Swarovski, könnte auch ausfallen“, befürchtet der Obmann.

Man sei deshalb nun bemüht, zum einen neue För-derungen zu bekommen. „Auch wenn wir keine großen Kosten haben, die Einnahmen können diese kaum abdecken“, stellt Berger klar. Zum anderen hofft man, dass es vielleicht einen privaten Gönner geben könnte, welcher diese einzigartige Schule erhalten möchte. Eine Absage, was die Förderungen betrifft, gibt es aber leider schon – und zwar ausgerechnet von der Standortgemeinde Wes­tendorf.


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