Pitztal will Chancen der Klima-Anpassung nutzen

Ein Konzept soll erarbeiten, wie das Tal mit der Gletscherschmelze, drohender Wasserknappheit oder Naturgefahren künftig umgehen kann.

In einem 50-minütigen Referat wurde der Arzler Gemeinderat über das Projekt KLAR informiert.
© Paschinger

Von Alexander Paschinger

Arzl i. P. – Man spürt es schon, dass sich etwas verändert. So hat sich in den letzten 30 Jahren der Vegetationsbeginn vom 5. April auf den 25. März vorverschoben. Und auch für die Arzler Erdäpfelbauern wird derzeit schon ein Konzept erarbeitet, wie sie zumindest jede zweit­e Nacht ihre Äcker bewässern können, ohne dass es zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung kommt. Um den Chancen, aber auch den Risiken des Klimawandels zu begegnen, will das Pitztal ein­e so genannte Klima­wandelanpassungsregion (KLAR) werden.

Dabei herrscht im Tal mit seinen vier Gemeinden schon ziemliche Einigkeit: Jerzens und Wenns hatten bereits in den vergangenen Wochen einstimmig für den Beitritt zu KLAR gestimmt, am Dienstagabend zog ebenso eindeutig Arzl nach. Nun wird ein entsprechendes Ergebnis aus St. Leonhard am Freitagabend erwartet.

Arzl ist in Sachen Klima überhaupt eine der zehn Tiroler Pilotgemeinden, die sich bereits eine Risiko­analyse erstellen ließen. „Hier in Arzl kann man gleich über die Maßnahmen sprechen“, meinte etwa Gisela Egger von der Klima-Energie-Modellregion Imst bei der Vorstellung des neuen Projektes. In so manch anderer Runde müssten Leute erst einmal vom Klimawandel überzeugt werden.

Im Rahmen von KLAR ist nun als Erstes geplant, bis zum 29. Jänner 2021 ein Rohkonzept auszuarbeiten. Ein erster Workshop im Juni lieferte bereits erste Schlagworte für das Pitztal wie Wasser, Starkregen, klimafitter Wald, Muren, Dachbegrünungen oder heimische, naturnahe Blühwiesen. Sollte der Antrag angenommen werden, wird Manuel Flür als angestellter Manager des Pitztaler KLAR-Projektes ein detailliertes Klima­wandel-Anpassungskonzept erstellen. Diese Phas­e 1 ist bis Ende Jänner 2022 angesetzt. Danach folgt eine zweijährige Umsetzungsphase mit konkreten Maßnahmen, die wiederum bis Ende April 2024 dauern soll. Dann soll auch entschieden werden, ob das Projekt weiter fortgesetzt wird.

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Das Pitztal ist bereits in die KEM eingebettet, auch gibt es ein ähnlich klingendes, aber rein touristisches CLAR-Projekt. Mit Manuel Flür als Manager für die Klimawandel-Anpassung sollte eine perfekte Klammer für die Nutzung der verschiedenen Fördertöpfe gefunden sein. In Arzl selbst kommt als e5-Gemeinde noch ein weiterer Aspekt – jener der Energie­effizienz – zum Tragen.

Die Phase der Erstellung des Rohkonzeptes ist für die vier Talgemeinden noch kostenlos. In Phase 1 teilen sich die Kommunen 8334 Euro (bei 25.000 Euro Förderung), in der zweijährigen Phase 2 geht es um die Aufteilung von 33.334 Euro (100.000 Euro Förderung).

„Wir waren schon zuvor als eine der zehn Klimawandel-Pilotgemeinden dabei“, warb der Arzler Bürgermeister Josef Knabl um die Annahme des KLAR-Projektes durch den Gemeinderat – was auch einstimmig geschah. Nun hofft man auf ein eindeutiges Votum aus St. Leonhard. Und dass schon am 21. September der zweite Workshop in Wenns stattfinden wird.


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