Erster freier Park-Samstag in Innsbruck: „Gratis-Parken belebt Stadt“

Das gebührenfreie Parken an Samstagen spaltet die Innsbrucker Stadtpolitik. Ein Lokalaugenschein zeigt, was Autofahrer und Wirtschaft davon halten.

So mancher Autofahrer sieht lieber noch mal beim Automaten nach, ob gratis geparkt werden kann.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Innsbruck – Ein grüner Pick-up fährt hinter dem Rathaus schon zum dritten Mal die Runde, bis er endlich einen Parkplatz ergattert. Der Fahrer wirft die Autortür zu und ist schon weg. Und das Parkticket? Das braucht er heute Vormittag nicht mehr. Es ist der erste Samstag bis Jahresende, an dem die Gebühren fürs Parken in der Innenstadt entfallen.

„Schau mal, ich glaub’, wir müssen nix zahlen“, sagt eine junge Frau zu ihrem Partner. Er wirft selbst noch mal einen Blick auf den Parkautomaten und ist überrascht. Ein Lokalaugenschein der TT in der Innsbrucker Innenstadt zeigt, dass bei vielen die Gebührenbefreiung der Kurzparkzone am Samstag noch nicht angekommen ist. „Wissen Sie, ob ich jetzt was einwerfen muss?“, fragt ein älterer Herr. Er ist verwirrt, denn nach einem langen Hickhack der Stadtpolitiker wurde der Beschluss eigentlich schon vor Wochen gefällt, doch die Umsetzung hat bis jetzt gedauert. „Ich finde es gut, dass sie das nun gemacht haben. In meinem Alter macht man nicht mehr alles so schnell, und kaum hat man ein, zwei Besorgungen oder will am Friedhof die Blumen gießen – pickt schon ein Strafzettl am Auto“, meint er. Für Nadine Wiesbeck ist das Gratis-Parken am Samstag ein Vorteil: „Ich wohne nicht direkt in der Stadt und mit den Öffis geht es eben nicht immer. Da finde ich diese Aktion jetzt schon sehr fein.“

Edith Pflug aus Mutters hat in der Tiefgarage geparkt. „Na, wenn ich das gewusst hätte! Ich war mir nicht sicher, ob die Verordnung nun schon gilt. Und mit der Bahn mag ich derzeit nicht so gerne fahren“, erklärt die Rentnerin. Sie glaubt nicht, dass dadurch mehr Verkehr in die Stadt gezogen wird. Da muss sich laut ihr die Politik etwas Innovativeres einfallen lassen, um den Verkehr einzudämmen. Eine junge Innsbruckerin hat gerade einen Parkplatz gefunden. Sie findet es „super cool“, dass sie gratis stehen bleiben kann.

Thomas Steiner muss für Besorgungen in die Innenstadt. „Vielleicht lockt es mehr Leute her und die Parkplätze fehlen dann anderen, die hier immer parken. Aber andererseits muss es ja auch für die Leute, die hier wohnen fein sein, wenn man gratis parkt“, sagt er. Eine Innsbruckerin steht einige Minuten unsicher vorm Automaten: „Ich hab­e gehört, dass sie das machen, konnte es aber nicht glauben.“ Thomas Walter braucht mit seinem Moped zwar kein Parkticket, findet die Gebühren­befreiung aber sinnvoll. „Das ist ja nur am Samstag und nicht die ganze Woche. Der ohnehin gebeutelten Wirtschaft tut das sicher gut“, sagt er.

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Eine Friseurein auf dem Weg zur Arbeit ist erleichtert. Sie muss nicht mehr weit außerhalb parken oder ständig nachwerfen. Aber auch für die Kunden sei es am Samstag eine Pluspunkt. „Ich finde das prinzipiell gut. Ob es dem Geschäft was bringt, wird man erst in ein paar Monaten sehen. Aber es ist sicher ein Argument für manche Kunden herzukommen“, sagt Thomas Klausner vom Haushaltsgeschäft Putzenbacher. Auch der Mitarbeiter in einem Bioladen sieht in der Gebührenbefreiung eine positive Chance.

Gastronom Leonard Isuf­i vom Kitchen Hub freut sich über die Neuerung. Gerade über Mittag könne man davon in seiner Branche profitieren.

„Sind wir mal ehrlich: Kein Mensch fährt mit zehn Paketen oder Taschen mit der Straßenbahn oder dem Zug. Die kommen zum Einkaufen mit dem Auto. Und am Stadtrand parken sie eh bei den großen Geschäften gratis. Diese Aktion tut dem Innenstadtleben gut“, sagt Nikolaus Ernest vom Schuhwerk. Laut Bäckerei-Verkäuferin Petra Feischl kommt niemand mehr gerne in die Innenstadt. „Es ist den Leuten schlicht zu teuer mit dem Parken. Durchs Gratis-Parken belebt man die Stadt wieder und tut endlich was für die Wirtschaft“, ist sie überzeugt.


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