Ausstellung im Volkskunstmuseum: Ein weißer Fächer aus Ton für Walli

Eine Ausstellung im Kreuzgang des Tiroler Volkskunstmuseums führt vor, was Keramik alles sein kann.

Gabriela Nepo-Stieldorf hat ihr „Dach Europas“ in den Garten des Volkskunstmuseums gestellt.
© Edith Schlocker

Von Edith Schlocker

Innsbruck – „Authentic Past – Living Identity“ war das Thema des heuer bereits zum sechsten Mal im Drei-Jahres-Rhythmus ausgetragenen, von der Innsbrucker Künstlerin Gabriela Nepo-Stieldorf initiierten „Internationalen Keramik Symposiums Innsbruck“. Die Ergebnisse der zwischen dem 20. August und 8. September entstandenen Arbeiten von sieben KeramikerInnen aus Österreich, Italien, Kroatien und Ungarn – weitere drei waren Corona-bedingt nur virtuell mit dabei – sind nun im Volkskunstmuseum zu sehen – und sie können sich wirklich sehen lassen. Was nicht zuletzt auch den Leihgaben aus der Sammlung des Symposiums Gmunden zu verdanken ist.

Die kleine Ausstellung führt vor, wie heutig dieses oft in die Bastelecke abgeschobene Medium daherkommen kann. Wenn Hannes Seebacher etwa auf einem Schachbrett ein mit Zitaten und aktuellen Verweisen in surrealer Opulenz gepuzzeltes Sittengemälde von heute entwirft, während Elisabeth Ehart-Davies auf ganz subtile Weise den Formen der Natur nachspürt. Wenn sie etw­a einen Fruchtstand nachformt, der wie geschnitzt zu sein scheint. Wobei die Idyll­e bisweilen eine brüchige ist, durchzogen von Rissen, die die Künstlerin mit feinen Kupferfäden gefüllt hat.

Die Trientinerin Annamaria Gelmi mag es dagegen formal minimalistisch, passend zu der von ihr bevorzugten, vom Zen-Buddhismus beseelten japanischen Rakutechnik. Der Kontrast ihrer Arbeiten zu den mit viel Ironie aufgeladenen, von der ungarischen Volkskunst inspirierten von Gergö Bankuti könnte nicht größer sein, gewisse Verwandtschaften mit jener von Elisabeth Melkonyan sind wiederum unübersehbar. Die die weiß tönerne Spitzenschürze ihrer kopflosen „Hl. Ambrosia“ Rudi Wachs nebenan stehender Wallnöfer-Figur als Fächer in die bronzene Hand gedrückt hat. Hier im Garten stehen auch ein knospender Baum von Boris Roce und Gabriela Nepo-Stieldorfs „Dach Europas“. Seine Konstruktion ist nicht zufällig wackelig, belegt mit Ziegeln aus den unterschiedlichen Ländern der EU.

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