Lkw-Verkehr in Polling und die Suche nach einer Lösung

Auch durch das wachsende Gewerbegebiet Polling/Flaurling wächst der Wunsch nach einem Autobahnzubringer. Das Ministerium ist am Zug.

Die Firma Personalshop errichtet in Polling ein weiteres Hochregallager – mehr Lkw-Fahrten soll es dadurch aber nicht geben.
© Thomas Boehm / TT

Von Michael Domanig

Polling, Hatting – In seiner jüngsten Sitzung hat der Pollinger Gemeinderat mehrheitlich eine Bebauungsplanänderung für die Erweiterung der ortsansässigen Firma Personalshop genehmigt. Der Versand- und Onlinehändler plant auf dem bestehenden Grundstück, auf dem dafür noch rund 3000 Quadratmeter gewidmetes Bauland zur Verfügung stehen, ein weiteres Hochregallager.

Die Gemeindeführung begrüßt die Erweiterung, wie BM Gottlieb Jäger (Allgemeine Bürgerliste Polling) in einer Postwurfsendung ausführt: Polling müsse zwar eine „gewisse optische und verkehrstechnische Belastung in Kauf nehmen“, zugleich habe die Ansiedlung des Großbetriebs in der Gemeinde aber große Vorteile – u. a. durch über 70 regionale Arbeitsplätze und hohe monatliche Kommunalsteuer­einnahmen – gebracht und ermögliche so viele Projekte und vergleichsweise niedrige kommunale Gebühren.

Informationen nicht oder nur „scheibchenweise

Die Oppositionsliste „Bunt für Polling“ stimmte der Betriebserweiterung hingegen nicht zu. Zum einen habe man von der Gemeindeführung die nötigen Informationen nicht oder nur „scheibchenweise“ erhalten, so die Gemeinderäte Markus Rott und Robert Greil. Vor allem aber brauche es dringend ein Verkehrskonzept, mit dem das Pollinger Wohngebiet entlastet werde.

BM Jäger erklärt dazu, dass im Zuge der Errichtung der Firma Personalshop 2018 per Bescheid maximal 66 Lkw-Fahrten täglich genehmigt worden seien. Laut einem im Juni 2020 erstellten Gutachten ist der gemessene Spitzenwert bei 27 Fahrten, also deutlich niedriger, gelegen. Und durch das neue Lager würden auch Fahrten wegfallen, so Jäger – nämlich jene mit Waren, die derzeit saisonal bedingt in Außenlager (in Mutters, Anm.) überführt und von dort in der passenden Zeit wieder zurück nach Polling gebracht werden müssten. „Bunt für Polling“ bezweifelt die Aussagekraft des Gutachtens – ebenso, dass die Verkehrsbelastung durch eine Betriebserweiterung sinken werde.

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„Sonst können die Dörfer die Belastung fast nicht mehr schlucken“

Auf jeden Fall rückt durch den Anlassfall Personalshop eine weit größere Frage, die die gesamte Salzstraßen-Region schon lange beschäftigt, wieder einmal verstärkt in den Fokus der Debatte – nämlich jene einer neuen Anbindung zur Autobahn-Auf- und Abfahrt bei der Rosenberger-Raststätte in Pettnau.

Alle Gemeinden im Planungsverband „Telfs und Umgebung – Salzstraße“ seie­n seit Jahren bestrebt, eine gemeinsame Gesamtlösung für den Lkw-(Durchzugs-)Verkehr zu finden, sagt der Hattinger Bürgermeister Dietmar Schöpf. „Sonst können die Dörfer die Belastung fast nicht mehr schlucken.“ Zumal das Gewerbegebiet Polling-Flaurling, das „mitten in der Dörferkett­e“ liege, weiter wachse. Also sei man schon vor rund zwei Jahren auf den für Straßenbau zuständigen LHStv. Josef Geisler (ÖVP) herangetreten. Konkret sehen die Pläne für den Autobahnzubringer einen neuen Kreisverkehr an der Grenze zwischen Polling und Hatting vor, von dem aus eine Umfahrung zur Innbrücke Richtung Pettnau führen soll. Inzwischen liege eine finale, optimierte Anbindungsvariante am Tisch, so Schöpf, der Planungsverband habe im Juni „einstimmig beschlossen, dass diese weiterverfolgt werden soll“.

Derzeit keinen Rechtsstatus

Voraussetzung ist allerdings, dass die Auf- und Abfahrt bei der Rosenberger-Raststätte durch das Verkehrsministerium rechtlich verordnet wird – derzeit hat sie keinen Rechtsstatus. Hier ist also Wien am Zug. „Wir erwarten schon, dass die Verordnung im Herbst kommt“, hofft Schöpf. „Erst dann können wir wieder Richtung Land aktiv werden, was die weitere Planung und Umsetzung angeht.“ Schließlich gehe es hier um Millioneninvestitionen von Land und Asfinag – „da braucht es Rechtssicherheit“.

Die Pollinger Opposition sieht in der Autobahnanbindung freilich keine Lösung – sie fürchtet, dass der Lkw-Verkehr Richtung Gewerbegebiet Polling/Flaurling dann vollständig durch Polling rollen könnte – auch jener, der aktuell über Pfaffenhofen, Oberhofen und Flaurling führe.


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