Neue Brücke soll Tourismus in Prägraten stärken

Prägraten am Großvenediger kämpft trotz Naturschätzen wie den Umbalfällen seit Jahren mit Nächtigungsrückgängen. Eine neue Brücke am Iseltrail soll Start für eine Wende sein.

© TVB

Von Catharina Oblasser

Prägraten a. Gr. – Die Gemeinde Prägraten am Großvenediger ist ein absoluter Geheimtipp für Liebhaber der unberührten Natur. Auch deshalb, weil Wanderer und Bergsteiger sich die alpine Landschaft mit nur wenigen anderen Touristen teilen müssen.

An Naturschätzen fehlt es in der Gemeinde im Talschluss beileibe nicht: Von Prägraten aus verläuft ein Anstieg auf den 3657 Meter hohen Großvenediger, ein Wasserschaupfad führt die eindrucksvollen Umbal-Wasserfälle an der Isel hinauf, es gibt Höhenwege, Almen und Hütten. Trotzdem gehen die Nächtigungszahlen im Venedigerdorf seit Jahren zurück. Zählte man im Sommer 2009 noch etwa 71.500 Übernachtungen, so waren es im Sommer 2019 nicht einmal mehr 62.000. Im Winter sank die Zahl von 23.000 im gleichen Zeitraum auf 19.250 Nächtigungen. Freilich gibt es auch weniger Gästebetten. Standen vor zehn Jahren noch 1174 Betten in Prägraten bereit, so sind es heute rund 1000.

Pläne für einen touristischen Aufschwung bestehen schon lange. Doch nun sind die Vorhaben konkret. Im Zuge des neu eröffneten Wanderwegs „Iseltrail“, der den Gletscherfluss von Lienz aus bis zum Ursprung in Prägraten entlangführt, soll eine spektakuläre Hängebrücke gebaut werden. „Diese Brücke wird beim Ortsteil Bobojach über die Iselschlucht führen“, erläutert Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes (TVB) Osttirol. „Auch der Nationalpark Hohe Tauern ist mit im Boot. Nächstes Jahr soll die Brücke errichtet werden, die Kosten sind mit 200.000 Euro veranschlagt.“ Aussichtsplattformen in der Schlucht werden das Erlebnis abrunden.

„Aber jeder Mosaikstein hilft uns“

Der Iseltrail, der seit der heurigen Sommersaison begangen werden kann, sei schon jetzt ein großer Erfolg, meint Theurl. In Virgen, der Nachbargemeinde von Prägraten talauswärts, hätten die Vermieter vom Iseltrail stark profitiert.

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Eine einzelne Brücke kann freilich keine Wunder bewirken, das weiß auch der Prägratner Bürgermeister Anton Steiner. „Aber jeder Mosaikstein hilft uns“, sagt Steiner. Was die schwindenden Nächtigungen betrifft, meint er: „Wir haben kleine, feine Betriebe, aber uns fehlt ein typischer Leitbetrieb. Ein solcher hätte mindestens 120 Betten. Unsere größten Häuser haben um die 50 Betten.“ Die Umbalfälle seien gut besucht, so der Bürgermeister, pro Sommer würden rund 50.000 Besucher kommen. Doch ohne Übernachtungen schaffe das wenig Nachhaltigkeit. Steiner: „Es gelingt uns nicht, dass die Tagestouristen länger bei uns verweilen.“

Dennoch sieht Anton Steiner die Zukunft nicht in der Errichtung von Bauwerken. „Unsere Kompetenzen sind die Gletscher, die Naturnähe und Naturbelassenheit. Danach müssen sich auch unsere touristischen Angebote richten.“


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