Koschuh ist zurück: Es darf wieder gelacht werden

Kabarettist Markus Koschuh meldet sich auf der Bühne zurück. Im neuen Programm verarbeitet er pandemische Auffälligkeiten. Am Donnerstag ist Premiere.

Markus Koschuh hat die Corona-Krise finanziell gut übertaucht, „weil es vorher gut gelaufen ist“.
© Thomas Boehm / TT

Von Markus Schramek

Innsbruck – Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Wer, wenn nicht ein Kabarettist, sollte sich diesem Grundsatz verpflichtet fühlen? Also spricht Markus Koschuh, 43 Jahre alt und einer der wenigen Tiroler, die von Pointen, Gags und Wortwitz tatsächlich leben können: „Wenn mich Corona noch länger ärgert, male ich auf jede Schutzmaske im Publikum einen Smiley. Es wäre dann das erste Programm, bei dem alle immer lachen.“

Diesen Donnerstag kehrt der rede- und gesangsfreudige, seit Kurzem zweifache Vater in sein natürliches Habitat zurück: auf die Bühne. „Oben ohne“ heißt das neue Programm. Es ist das neunte seit Koschuhs Kleinkunst-Anfängen im Jahr 2006. „Oben ohne“ bezieht sich auf Hirn- und nicht, wie man(n) glauben könnte, auf etwaige Textillosigkeit. Koschuh hat Aperçus, Heiterkeiten und Skurrilitäten aus den Corona-Monaten zusammengetragen. Ziel- und Stoßrichtung dieser Kollekte: befreiende Lacher in einer seltsamen Zeit.

Das als Kabarettist nachzustellen, geht nicht, das würde keiner glauben.
Markus Koschuh (über ein missglücktes Interview von LR Tilg)

Koschuh mimt den Mitarbeiter einer Corona-Hotline, der im Home-Office Stellung bezieht. Ihm kommt berufsmäßig allerhand zu Ohren: Verschwörungstheorien, nachbarliches Kleinhäusler- und Denunziantentum, Exzesse einer Gesellschaft im pandemischen Ausnahmezustand. Auch politische Würdenträger bekommen ihr Fett weg, wie stets bei Koschuh. Manche reale Begebenheit muss aber ausgespart bleiben – so etwa der legendär schlechte TV-Auftritt von Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg im März zum Stichwort Corona-Krisenmanagement („alles richtig gemacht“). „Das als Kabarettist nachzustellen, geht nicht, das würde keiner glauben“, sagt Koschuh mit spitzbübischem Grinser.

Koschuhs künstlerisches Wohnzimmer, das Treibhaus, steht diesmal nicht zur Verfügung. Treibhaus-Oberhaupt Norbert Pleifer könnte in Erfüllung der Corona-Auflagen im Turm nur 70 Besuchern Platz bieten. Koschuh weicht daher an den nördlichen Stadtrand aus: ins Haus Vier und Einzig an der Hallerstraße. Dort böte sich ein Fassungsvermögen von 400 Gästen. 150 können pro Abend mit Abstand dabei sein. Sieben Termine zwischen 17. September und 8. Oktober sind geplant.

Mit „Journal im Bild“ durch die Corona-Krise

Die Corona-Ampel, derzeit in Innsbruck auf Gelb gestellt, gilt es im Auge zu behalten. Koschuh empfiehlt dringlich, dass seine Gäste Schutzmasken tragen, wenn möglich auch während des Auftritts.

Ein halbes Jahr befand sich der Alleinunterhalter im Trockendock, soll heißen in den eigenen vier Wohnungswänden, wo er sich ein Produktionsstudio eingerichtet hat. 45-mal ließ er dort Sketches zur aktuellen (politischen) Lage online via Homepage und Youtube vom Stapel. „JIB“ heißt das Format der Videos, kurz für „Journal im Bild“.

Auf die Kralle gab es für dieses unterhaltsame Bemühen nur wenig. Das Land schoss 3000 Euro als Arbeitsstipendium zu. Trotzdem will Koschuh weitere „JIB“-Folgen mehrmals wöchentlich gratis unters Internet-Volk bringen. Um allfällige Motivationsprobleme kümmert sich seine Gemahlin Kathi. „Es ist ungefähr so, wie wenn eine Mutter ihr Kind höflich daran erinnert, die Hausaufgaben zu machen“, scherzt Koschuh.

Gerade als Schauspieler entdeckt

Finanziell konnte sich der Kleinkünstler über Wasser halten, „weil es vor Corona gut gelaufen ist“. Ein beruflicher Plan B für den Ernstfall liege dennoch bereit, Details dazu verrät er nicht. Überdies wird Koschuh gerade als Schauspieler entdeckt. In der ORF-Serie „Dave“ (ab 20. Oktober, ORF 1) mimt er in zwei Folgen – ausgerechnet – einen Tiroler Bauern.

In der Künstlerszene gebe es viele, die nicht wissen, wie und ob es weitergeht, zeigt sich Koschuh besorgt. Als „wirklich übel“ empfindet er es daher, dass das Land Tirol die Volksmusik mit einer speziellen Förderung unterstützt (Gagenübernahme bis zu 80 Prozent bei Auftritten in Gasthäusern), andere Musikrichtungen hingegen aber nicht. Vom Vorschlag von Kulturlandesrätin Beate Palfrader, zum Zwecke der Förderung einen Trägerverein für Tirols Populärmusik zu gründen, hält Koschuh wenig: „Es wäre doch viel einfacher, die Richtlinien zu ändern und für alle Musiker zu öffnen.“

Sprach’s entrüstet und entschwindet zur Probe. Die Premiere naht.


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