Corona-Krise führt bei 38 Prozent zu finanziellen Einbußen

Die Österreicherinnen und Österreicher legen mehr Geld auf die hohe Kante und nehmen weniger Kredite auf. Anstieg der Kreditausfälle erwartet.

Trotz Nullzinsen bleibt das Sparbuch die beliebteste Anlageform der Österreicherinnen und Österreicher.
© Getty Images/iStockphoto

Wien – Die Corona-Krise und der damit verbundene massiv­e Wirtschaftseinbruch machen sich bei immer mehr Österreicherinnen und Österreichern finanziell bemerkbar. Vier von zehn haben finanzielle Einbußen, es wird mehr gespart und weniger Kredite werden nachgefragt. Das zeigt eine IMAS-Umfrage, die im Juni im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen durchgeführt wurde.

38 Prozent sagten, sie würden die Corona-Krise auch finanziell spüren und etwa ebenso viele geben jetzt weniger Geld aus. „Wenn man das auf ganz Österreich hochrechnet, sind das immerhin 2,5 Millionen Menschen“, sagte der Privatkunden-Vorstand der Erste Bank, Thomas Schaufler, bei der Präsentation der Umfrage.

In den kommenden Monaten könnten sich die Auswirkungen der Krise jedoch ausweiten, erwartet die Erste Bank. Aktuell würden uneinbringliche Kredite noch kaum eine Rolle spielen. „Wenn sich die Situation mit Infektionen jetzt weiter verschärft, gehen wir davon aus, dass Ende 2020, ‚Q eins‘ 2021 die Insolvenzen und ‚Non Performing Loans‘ zunehmen werden“, so Schaufler, der betont, dass das Geldhaus dafür bereits Rückstellungen gebildet habe.

Die Krise hat auch das Einkaufsverhalten der Österreicher verändert. Während 15 Prozent angeben, jetzt mehr online einzukaufen, erklärten 17 Prozent, sich beim Shopping im Internet eingeschränkt zu haben. Im stationären Handel wird indes immer häufiger auf Bargeld verzichtet. 36 Prozent bezahlen jetzt seltener bar. Kontaktloses Bezahlen nutzen 38 Prozent öfter als früher.

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Zurückhaltung wird vor allem beim Konsum erkennbar. Den bereits vor der Krise geplanten Kauf eines neuen Autos haben immerhin noch 57 Prozent wie geplant umgesetzt. Indes wurde mehr in die Verschönerung des Zuhauses investiert. „Baumärkte haben massiv zugenommen, das ganze Thema Essenbestellen hat zugenommen und das Thema Sport-Equipment hat zugenommen.“

Vom geplanten Hausbau oder Wohnungskauf haben sich 64 Prozent auch von Corona nicht abbringen lassen. Während die Wohnbaukredite in Österreich im Neugeschäft von 5 Mrd. Euro (2. Quartal 2019) um 7,2 Prozent auf 5,5 Mrd. Euro (2. Quartal 2020) gestiegen sind, ging die Nachfrage nach Konsumkrediten zurück, sagte der Erste-Bank-Vorstand.

Auf der anderen Seite sei die Sparquote „wirklich dramatisch nach oben gegangen“, berichtete Schaufler. Der Sparbetrag liege heuer bei 272 Euro im Monat – 2010 waren es noch 165 Euro. Für 79 Prozent der Befragten ist das Sparen generell sehr wichtig. Trotz Zinssätzen nahe null Prozent bleibt das Sparbuch mit 72 Prozent die beliebteste Sparform, vor dem Bausparen. Immobilien, Wertpapiere und Gold seien aktuell ebenfalls beliebte Anlageformen.

Corona-bedingt werden die Erste Bank und Sparkassen den Weltspartag heuer zu Weltsparwochen entzerren. Vom 19. bis 30. Oktober werden Ersparnisse mit den traditionellen kleinen Geschenken belohnt. (ecke)


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