„Jean Seberg – Against All Enemies“: Im Kreuzfeuer des FBI-Krieges

Schauspielikone Jean Seberg engagiert sich für die Black-Power-Bewegung und wird vom FBI zerstört.

Kristen Stewart glänzt nicht nur mit ihrer äußerlichen Ähnlichkeit zu Jean Seberg.
© Panda/Alamode

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – „Sie haben sich in das Mädchen mit dem Herald-Tribune-Shirt verliebt und stattdessen mich bekommen.“ Die Schauspielerin Jean Seberg ist aber auch heute noch durch ihre berühmteste Rolle in Erinnerung. Jean-Luc Godard besetzte die Amerikanerin in seinem Nouvelle-Vague-Gangsterfilm „À bout de souffle – Außer Atem“ von 1960. Darin erträgt sie die Unstetigkeit ihres Ganoven-Lovers nicht mehr und verpfeift ihn. Er findet das „dégueulasse“ – abscheulich.

Die Filmbiografie „Jean Seberg – Against All Enemies“ widmet sich nur einem anderen abscheulichen Kapitel im Leben der jung verstorbenen Schauspielerin.

Ende der 60er pendelt Seberg zwischen Amerika und ihrer Wahlheimat Paris, wo ihr französischer Ehemann und ihr kleiner Sohn wohnen. Auf einem Flug lernt sie den Black-Power-Aktivisten Hakim Jamal kennen. Am Flughafen streckt sie demonstrativ mit den Kämpfern die Faust in die Höhe. Das genügt in den rassistisch aufgeladenen Zeiten, um ins Visier des FBI von J. Edgar Hoover zu geraten. Jean Seberg soll „neutralisiert“ werden. Ihr Haus wird verwanzt und ihre Kontakte werden überwacht. Als gezielte Verleumdung machen Hoovers Agenten ihre Beziehung zum Afroamerikaner Hakim Jamal öffentlich und bringen falsche Gerüchte über eine Schwangerschaft in ­Umlauf.

📽 Video | „Jean Seberg – Against All Enemies“

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Diese Verfolgung ruiniert Seberg sowohl beruflich als auch psychisch. Hakim Jamal ist derlei gewöhnt und meint nur lapidar: „Es gibt einen Krieg gegen Schwarze in Amerika. Du bist einfach nur ins Kreuzfeuer geraten.“

„Seberg“ hatte letztes Jahr in Venedig außer Konkurrenz Premiere. Regisseur Benedict Andrews legt die wahre Geschichte zeitlich begrenzt an. Dafür nimmt er die zusätzliche Erzähl-Perspektive eines jungen FBI-Agenten hinzu, der zusehends Gewissensbisse bekommt. Das Hochglanz-Biopic wirkt dadurch recht unentschieden zwischen Überwachungs-Krimi und dem Drama Sebergs. Mit Kristen Stewart ist die Rolle der berühmten Kollegin stark besetzt. Ebenfalls vom Teenie-Star zur ernsthaften Schauspielerin gereift, passt ihr die Rolle perfekt.

Jean Seberg mag nur ein Kollateral-Opfer in einem größeren konservativen Kampf gewesen sein, bei dem etwa auch Martin Luther King Jr. verfolgt wurde. Ihr Fall zeigt aber vor allem, wie sie als berühmte Frau den Verleumdungen doppelt schutzlos ausgeliefert war. Als sie mit nur 40 Jahren in Paris durch Suizid stirbt, gibt ihr Ehemann dem FBI die Schuld.

Der Kampf des Establishments gegen afroamerikanischen Aktivismus als auch der Missbrauch staatlicher Überwachung ist aktuell wie nie. Der Film erinnert also nicht nur an die tragische Biografie einer Schauspielerin.


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