Nnella beim Prosafestival: Eine Geschichte, acht Facetten

Vertonte Gefühlsexplosionen: Beim Innsbrucker Prosafestival, das morgen planmäßig startet, wird jeder Abend mit junger Musik von Nnella eröffnet.

Vertonte Gefühlsexplosionen: Beim Innsbrucker Prosafestival, das morgen planmäßig startet, wird jeder Abend mit junger Musik von Nnella eröffnet.
© Au Yeong

Innsbruck – Dieser Album­titel redet Tacheles. „Dear Beloved Asshole“ bedarf keiner Übersetzung, sondern macht Platz für eine giftige Abrechnung, eine süßliche Wutrede oder das verbale Anzünden eines Feindbildes. Nicht so bei Nnell­a. Ja, es geht im Debütalbum der Vorarlberger Songwriterin um das Ende einer Beziehung. Auch um Wut – aber nicht nur. In acht Songs will Nnella, eigentlich Nadja Bodlak, auch Diskussionen anstoßen, etwa über Grenzverletzungen. Sie hat dafür ein­e Geschichte erzählt, ausformuliert in acht Facetten.

Gebannt hat sie diese Stimmungsbilder auf ihr im April veröffentlichtes Album (online verfügbar), das die 23-Jährige ganz klassisch auf Vinyl auch zum morgen in Innsbruck startenden 18. Prosafestival mitbringen wird. Alle drei Abende der Lesungsreihe in der Wagner’schen sowie der Stadtbibliothek wird sie musikalisch eröffnen.

Ihr Album öffentlich zu präsentieren, war im Frühjahr Corona-bedingt nicht möglich. Die Tour ist auf den Winter und bis ins kommende Frühjahr verschoben. Nnella wird in Innsbruck exklusiv akustisch zu hören sein. Auf der Bühne verbleibt eine Gitarre und eine einmalige Stimme.

Von ihrer Bühnenpräsenz kann sich ihr Publikum bereits seit zweieinhalb Jahren überzeugen, so lange ist Bodlak als Nnella unterwegs. Zuerst in Vorarlberg, jetzt öfters auch in Linz, wo die 23-Jährige Jazzgesang studiert. Stilistisch ist Nnella mal klassische Ballade („All I Can Say“), mal funky Riff („Pretty Shitty“).

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Text – in diesem Sinne ist die Vorarlbergerin idealer Opener für die 12 Autorinnen und Autoren, die im Rahmen des Prosafestivals anreisen – steht für Nnella im Mittelpunkt ihrer Kompositionen. Manchmal schrieben sich die Songzeilen gar vor der Melodie, erklärt sie. Im Idealfall aber zugleich. Welche Energie hinter ihrer Arbeit steckt, kann man u. a. in „22 Wutanfälle“ nachfühlen: Nicht blinder Zorn gibt hier den Ton an, Sehnsucht und Wehmut werden vertont – bis sich am Ende die Stimme überschlägt. Öffnen heißt bei Nnella auch sich verletzbar machen. Ihre Musik ist nicht reines Überwinden, sondern Wiedererleben. Im engen Rahmen werden ihre sehr persönliche Schilderungen auch für das Publikum zur eindringlichen Erfahrung.

Jeweils 70 Gäste können an drei Festivalabenden in Nnellas Welt abtauchen. Das Programm findet übrigens wie geplant statt, versichert Veranstalter Robert Renk. Orange heißt beim Prosafestival: Maskenpflicht auch während der Lesungen. (bunt)

Album

Nnella: Dear Beloved Asshole. very hairy records.

Live: Prosafestival, 17. bis 19.9.

Infos: prosafestival.wordpress.com


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