Grazerin posthum als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt

Die im Jahr 1991 verstorbene Grazer Theologin Margarete Hoffer bewies in der NS-Diktatur Zivilcourage und riskierte ihr Leben, um jüdische Mitbürger zu retten. Dafür wurde sie 2012 von der israelischen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Am Dienstag wurde sie in einer Zeremonie der Israelischen Botschaft auch in der Grazer Synagoge posthum geehrt.

Unter den weltweit über 27.000 Personen, die bisher vom Staat Israel mit dem Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet wurden, befinden sich rund 110 Österreicher. Margarete Hoffer (geb. 1906), die Ihre Kindheit und Jugend in Graz verbracht hatte, ist neben Franz Leitner, der im „Kinderblock „ des KZ Buchenwald Kindern das Leben gerettet hat, eine von bisher zwei Steirern, die diese Ehrung zerkannt bekommen haben, schilderte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, Elie Rosen.

Die evangelische Theologin, die 1938 nach Deutschland gegangen war, wurde bereits im Jahr 2012 gemeinsam mit zwei weiteren protestantischen Geistlichen als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Gemeinsam mit ihnen half sie in Schwenningen im Südwesten Baden-Württembergs einer Reihe von verfolgten Juden, den Holocaust zu überleben. Ihre Taten wurden in Memoiren und Zeugnissen beschrieben, die die Überlebenden kurz nach dem Krieg verfasst hatten. So hat Hoffer u.a. Juden in ihrem Haus versteckt und mit Lebensmittelkarten versorgt. Hoffer war Teil eines kleinen christlichen Netzwerks, das von den Nazis verfolgten Juden bis zum Kriegsende 1945 teils erfolgreich Unterschlupf bieten konnte bzw. ihnen falsche Papiere und Lebensmittelkarten besorgte.

Am Dienstag - rund drei Wochen nach einem tätlichen antisemitischen Angriff auf Rosen und Beschädigungen der dortigen Synagoge sowie weiterer Einrichtungen - wurde die von der Shoah-Gedenk- und Forschungsstätte Yad Vashem anerkannte Auszeichnung durch Mordechai Rodgold, den Botschafter des Staates Israel an die Nichten und Neffen von Margarete Hoffer verliehen. „Möge sie in einer Zeit, in denen der Antisemitismus wieder Einzug gehalten hat, allen als Beispiel dienen, dass bloßes Reden alleine nicht genügt, sondern wir alle an unseren Taten zu messen sind“, sagte Rosen im Rahmen des Festaktes.

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Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) bezeichnete die posthume Ehrung als „wichtiges Zeichen“. Gerade nach den antisemitischen Ereignissen in den vergangenen Wochen in Graz müsse man „weiterhin wachsam bleiben. Antisemitismus darf in unserem Land keinen Platz haben“, betonte der Landeshauptmann.

Die judenfeindlichen Angriffe in Graz seien „ein Tiefpunkt des Antisemitismus in Österreich“, hob auch die Bundesministerin für EU und Verfassung, Karoline Edtstadler (ÖVP) in ihrer Ansprache hervor. Mit Hoffer werde eine Frau geehrt, „die uns nach wie vor den Spiegel vorhält, die Verantwortung übernommen hat und ihr Leben riskiert hat, um verfolgte Jüdinnen und Juden zu retten“. Eine österreichische Verantwortung sei es auch, für die Sicherheit der Juden in Österreich zu sorgen und das jüdische Leben sichtbar zu machen und zu fördern. Noch im Herbst werde sie einen nationalen Aktionsplan gegen Antisemitismus vorlegen, der rund 30 Maßnahmen aus den Bereichen Bildung, Forschung. Sicherheit und Justiz umfasse, wie Edtstadler gegenüber der APA ausführte. Auch die Überarbeitung des Verbotsgesetzes sei ein Teil des Paketes, welches sich kurz vor der Fertigstellung befinde.

Laut den Memoiren einer Überlebenden war Hoffer „von allen Menschen, die uns geholfen hatten, diejenige, die mehr an unsere Seite stand als jeder andere“. Sie sei einer sehr attraktive und talentierte Frau in ihren 30ern gewesen, aus Graz, aus einer Familie, die ursprünglich stark für die Nazis engagiert war - ein Charakteristikum für viele Protestanten, die dann aber den wahren Charakter des Regimes erkannten. „Aber sie wurde durch ihren tiefen religiösen Glauben motiviert zu helfen. Ich habe nie eine Person erlebt, die sich so für uns trotz der enormen Schwierigkeiten eingesetzt hatte“, beschrieb Herta Pineas Hoffers Wesen und Wirken.

„Die Heldinnen und Helden von damals sollten uns heute ein Vorbild sein. Margarete Hoffer war so eine Heldin“, betonte auch der Botschafter des Staates Israel, Mordechai Rodgold, der die posthume Auszeichnung an die Nichten und Neffen der „ beherzten und mutigen Frau“ überreichte.

Nach dem Sieg über den Nationalsozialismus setzte sich war Margarete Hoffer als Vikarin in einem Flüchtlingsheim in Haid in Oberösterreich tätig und setzte sich weiter für Verfolgte ein. Am Ende ihres Lebens kehrte sie nach Graz zurück, wo sie 1991 starb.


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