Nawalny will nach Russland zurückkehren

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny will nach seiner Genesung von dem Giftanschlag nach Russland zurückkehren. „Ich bestätige es erneut für jeden: Keine andere Option wurde jemals in Betracht gezogen“, twitterte seine Sprecherin am Dienstag. Zuvor hatte sich Nawalny erstmals seit Wochen wieder selbst zu Wort gemeldet. „Hi, hier ist Nawalny. Ich vermisse Euch alle“, schrieb er auf Instagram.

Dazu veröffentlichte der 445-Jährige ein Foto von sich im Krankenbett der Berliner Charite, umringt von seiner Familie. „Ich kann immer noch kaum etwas machen, aber gestern konnte ich den ganzen Tag alleine atmen.“

In Moskau zeigte sich die Regierung offiziell erleichtert über die zunehmende Gesundung und offen für eine Rückkehr des 44-Jährigen in seine Heimat. Ein Sprecher des russischen Präsidialamtes sagte, jeder wäre glücklich, wenn sich Nawalny wieder erholen würde. Gleichzeitig betonte er die Bereitschaft zur Aufklärung des Giftanschlags. Die russische Regierung verstehe allerdings nicht, warum sie keinen Zugang zu den Untersuchungsproben von Nawalny erhalte.

Am Montag hatte die deutsche Regierung mitgeteilt, Labore in Schweden und Frankreich hätten bestätigt, dass Nawalny mit einem Kampfstoff aus der international geächteten Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Nowitschok war in der Sowjetunion entwickelt worden. Dies nährte den Verdacht, staatliche Stellen könnten hinter dem Anschlag auf den Kreml-Kritiker stecken.

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Nawalny war am 20. August auf einem innerrussischen Flug kollabiert. Die Piloten landeten daraufhin außerplanmäßig im sibirischen Omsk, wo er in der örtlichen Klinik behandelt wurde. Am 22. August wurde er nach Deutschland ausgeflogen, wo er seitdem in der Charite behandelt wird.

Nach Recherchen von Reuters widersprechen Rettungssanitäter in Omsk der in Russland gestellten offiziellen Diagnose eines vielfach über der Norm liegenden Blutzuckerwertes und einer massiven Beeinträchtigung des Stoffwechsels. Nach Angaben von drei Personen, die Kenntnis von der Erstbehandlung Nawalnys durch vier Sanitäter noch am Flughafen haben, wurden bei dem Kreml-Kritiker keine erhöhten Blutzuckerwerte oder Hinweise auf Stoffwechselstörungen gefunden.

„Das war kein Diabetes, das ist alles überprüft und ausgeschlossen worden“, sagte eine der Personen zu Reuters. Auch zwei weitere mit der Erstversorgung vertraute Personen sagten, bei der Behandlung auf dem Flugfeld waren Nawalnys Blutzuckerwerte normal. Vier Insider erklärten, die Sanitäter hätten Symptome einer Vergiftung wie Benommenheit festgestellt.

Der Toxikologe an der Omsker Notfall-Klinik Nr. 1, Alexander Sabaew, bestritt auf Reuters-Anfrage diese Angaben: „Nein, das ist nicht wahr.“ Im Krankenwagen sei ein stark erhöhter Blutzuckerwert gemessen worden. Zudem hätten Stoffwechselstörungen nur in der Klinik nachgewiesen werden können. Sabaew hat bereits vergangene Woche eingeräumt, zwar habe er bei Nawalny ursprünglich eine Vergiftung diagnostiziert. Dies sei aber wegen der Angaben der Sanitäter und der Begleiter des 44-Jährigen geschehen. Als er Laborergebnisse erhalten habe, habe er seine Meinung geändert. Der Toxikologe bekräftigte offizielle Angaben, nach denen Nawalny wegen Stoffwechselproblemen ins Koma gefallen sei.


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